„Aus für Aufschwung“

„Uelzen aktiv“-Leiterin Marlis Kämpfer kündigt weitere Proteste an. Archivfoto: Mahler

Uelzen/Hannover - Von Marc Rath. Diese Nachricht sorgt bei den Uelzener Wirtschaftsförderern für Überraschung und Unverständnis: Mit Ausnahme von Tourismusprojekten unterstützt das Land Niedersachsen keine Unternehmen mehr mit einer Einzelbetrieblichen Investitionsförderung aus dem Programm der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

„Wir dachten zuerst an einem Aprilscherz“, gibt die Leiterin der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“, Marlis Kämpfer, unumwunden zu. Und ihre deutlichen Kritik verhehlt sie nicht: „Die Wirtschaftsförderung Uelzen aktiv hält diese plötzliche Entscheidung für katastrophal für die Unternehmen im strukturschwachen Landkreis Uelzen.“

Die Uelzener Wirtschaftsförderer konnten gerade auf diesem Feld in den vergangenen Jahren gezielt Erfolge einfahren. 35 Unternehmen aus dem Landkreis hatten erst 2009 aus dem Programm mit zwölf Millionen Euro unterstützt werden können – zum dritten Mal in Folge ein niedersachsenweiter Spitzenwert. Mehrere hundert Arbeitsplätze im Landkreis konnten so geschaffen oder erhalten werden.

Kämpfer kündigt im soeben erschienenen Newsletter von „uelzen aktiv“ an, mit ihren Kollegen „auf allen Ebenen dafür sorgen“ zu wollen, dass diese Entscheidung zugunsten einer Übergangslösung geändert wird. Unternehmen, deren vorbereitete Anträge nicht mehr entschieden werden oder die in Zukunft Förderanträge stellen wollen, ruft die Wirtschaftsförderin dazu auf, „sich mit ihrer Kritik direkt an den niedersächsischen Ministerpräsidenten zu wenden“. Kämpfer geht davon aus, dass zum heutigen Zeitpunkt mindestens ein Dutzend Anträge von Unternehmen aus dem Landkreis in Vorbereitung oder in der Warteschleife sind.

„Die Entscheidung ist umso weniger nachvollziehbar, als hier der langsam beginnende Aufschwung radikal gestoppt wird“, legt sie in ihrer Kritik noch nach. Eine jetzt entstehende Finanzierungslücke von bis zu 45 Prozent werde bei vielen Unternehmen dazu führen, dass geplante Investitionen und die damit verbundenen zusätzlichen Arbeitsplätze nicht mehr realisiert werden können.

Kämpfer kritisiert nicht nur das abrupte Ende dieser Förderung durch die CDU/FDP-Landesregierung. „Genauere Informationen liegen bis jetzt nicht oder nur mündlich vor“, ärgert sie sich.

„Wir werden weiter heftig protestieren“, kündigt sie auf AZ-Nachfrage an. Die Landesregierung sorge mit dieser Entscheidung in der Region für ein Fördergefälle zu Ungunsten von Uelzen – in den angrenzenden Gebieten von Sachsen-Anhalt könnten Unternehmen künftig wieder mit einer rund 50 Prozent höheren Förderkulisse rechnen.

Pikant: Die Nachricht von dem radikalen Schnitt kam bei den Wirtschaftsförderern zur gleichen Zeit an wie die Erfolgsbotschaft, die der Uelzener CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer aus Hannover mitbrachte. Die Landesregierung hatte dem Abgeordneten der Regierungskoalition kurz vor Ostern noch die aktuelle Fördersumme für öffentliche und private Investitionen gesteckt – die verkündete Hillmer ohne einen Hinweis darauf, dass diese Zahlen künftig niedriger ausfallen dürften.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare