„Wie der Berliner Flughafen“

Aufzug-Erneuerung am Uelzener Hundertwasser-Bahnhof dauert an

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Kirn Khalsa, Leiter der Uelzener Bahnhofsmission, zeigt die seit April 2019 andauernde Baustelle zur Erneuerung eines Fahrstuhls. Am Gleis ist diese hinter einer einfachen Holzwand versteckt.

Uelzen – „Entschuldigung. Wir konnten leider nicht anders.“ Diese Worte begrüßen Reisende auf einem Plakat an einer Stelle, wo früher einmal ein Aufzug war.

Seit April 2019 finden am Uelzener Hundertwasser-Bahnhof nun schon umfassende Bauarbeiten am Fahrstuhl statt, der eigentlich eine barrierefreie Transportmöglichkeit zu und von den Gleisen 101 und 301 bieten sollte. Ein komplett neuer Aufzug soll hier entstehen, die Inbetriebnahme wurde aber immer wieder verschoben.

Auch in der Personenunterführung verdeckt eine Holzwand den Fahrstuhlschacht.

Von dieser Problematik erfuhr Britta Grunwald aus Eimke zu spät. Mit zwei ihrer Kinder – eins sieben Jahre, eins zwei Monate alt – wollte sie eigentlich nach Hamburg fahren. Nachdem sie ihr Auto im Parkhaus abgestellt hatte, fuhr sie mit dem Aufzug hinunter in die Personenunterführung, wo jedoch kein Fahrstuhl bereitstand, um mit dem Kinderwagen ihr Gleis zu erreichen. Ihren Zug erreichte Britta Grunwald nicht mehr. „Ich fahre ja nicht oft Zug, aber das hat mich schon aufgeregt“, erzählt Grunwald von ihrem Erlebnis. „Vor allem Rollstuhlfahrer haben das Problem ja auch.“

Das sieht man bei der Bahnhofsmission, die unter anderem mobilitätseingeschränkten Personen beim Umsteigen hilft, ähnlich. „Für Leute, die darauf angewiesen sind, ist es echt schlimm“, sagt etwa Christa Müller. Auch viele Reisende hätten dafür wenig Verständnis. „Das ist ein Unding, das sagen viele“, so Müller. Grund für die Verzögerung der Inbetriebnahme des neuen Aufzugs sei in den Schacht eintretendes Grundwasser, erklärt Müller weiter.

Laut Plakat sollen Reisende, um Gleis 101 oder 301 zu erreichen, statt des Aufzugs den Fußweg rund um den Bahnhof nehmen – was etwa zehn Minuten länger dauert. Der Leiter der Bahnhofsmission, Kirn Khalsa, empfiehlt daher Rollstuhlfahrern, immer eine Begleitperson dabei zu haben und mehr Zeit einzuplanen. Denn die Helfer der Bahnhofsmission dürften aus versicherungstechnischen Gründen das Bahnhofsgelände nicht verlassen. Bei Kinderwagen, Rollatoren oder Ähnlichem fasse man aber gerne mit an, um diese die Treppe hochzutragen.

Doch auch er bewertet die gegenwärtige Situation als „eher umständlich“. Besonders von der mangelnden Auskunft seitens der Bahn, wann der Fahrstuhl wieder in Betrieb gehen kann, zeigt er sich enttäuscht. „Es gibt keine klare Ansage“, so Khalsa resigniert. Und fügt hinzu: „Das ist ein bisschen wie der Berliner Flughafen.“ Dem schließt sich auch Khalsas Vorgänger Wolfgang Scholz an. „Das ist ein Witz“, bringt er es auf den Punkt.

Laut einer Bahnsprecherin können sich Reisende jedoch schon Ende Januar wieder auf einen funktionierenden, neuen Fahrstuhl einstellen. „Es ist selbstverständlich in unserem Interesse, dass der Aufzug schnellstmöglich wieder in Betrieb genommen werden kann.

Dazu müssen noch einige bauliche Anpassungen bzw. Abnahmeverfahren erfolgen. Wir gehen davon aus, dass der Aufzug Ende des Monats wieder unseren Fahrgästen zur Verfügung steht“, heißt es.

Währenddessen empfiehlt man bewegungseingeschränkten Reisenden, den Mobilitätsservice der Bahn in Anspruch zu nehmen.

VON DANIEL BIELING

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