20 kranke Kinder aus Gomel erholen sich im Landkreis Uelzen

Auftanken für Gesundheit

Eine ruhige Hand und etwas Geduld sind hier gefragt: Beim Spielen können sich die Kinder aus der weißrussischen Region Gomel erholen und ihre Krankheit für eine Weile vergessen. Fotos: Bleuel

Uelzen/Landkreis. Unaufhörlich prasseln die Regentropfen an die Fensterscheiben. Erwartungsvolle Blicke zum Himmel lassen keine Besserung erwarten. Seit Tagen schon meint man im Camp eine gewisse „Regenwald-Atmosphäre“ zu verspüren und muss dann doch ein wenig an die weit entfernte Heimat in Gomel denken, in der sommerliche Temperaturen um die 30 Grad herrschen.

20 an Leukämie erkrankte Kinder im Alter zwischen 10 und 17 Jahren halten sich derzeit mit zwei Betreuern und einer Ärztin im Jugenddorf Molzen auf. Weitere „gesündere“ Kinder leben für einen Monat bei deutschen Gasteltern im Landkreis. Seit knapp zwei Jahrzehnten organisiert der Gomel-Ausschuss des Kirchenkreises in Zusammenarbeit mit der Landeskirche die vierwöchigen Aufenthalte der Mädchen und Jungen aus der Region Gomel.

Eines dieser Kinder ist Egor, Weissrusse aus Gomel und sechs Jahre alt. Er spricht und versteht ein wenig Plattdeutsch, weil Gastmutter Gerda Gade ihm das beibringt. Für einen Tag war der Junge mit 20 anderen Kindern zu Gast im Seedorfer Gemeinschaftshaus. Bauunternehmer Erich Kalinowsky hatte für jeden einen Umschlag mit 25 Euro in der Jackentasche. „Hiermit können die Kinder machen, was sie wollen“, sagte er, „sozusagen zum Verklitschen“. Auch der Tag in Seedorf spielte sich überwiegend in aufgestellten Zelten und Räumen des Gemeinschaftshauses ab, weil der Himmel seine Schleusen geöffnet hatte. Dennoch wurden die angebotenen Spiele reichlich genutzt. Manche Mutige kletterten in den Sattel des Haflingers „Goldie“ und trabten eine Runde, andere tobten sich in einer Hüpfburg aus. Zu Mittag gab es Bratwurst mit Pommes, dazu reichlich Cola und Brause. Essen und Getränke sponserte der SPD-Ortsverein Bevensen. Der 1.Vorsitzende Hermann Kalinowski: „Uns ist es ein Bedürfnis, die Dorfgemeinschaft Seedorf und die Gäste aus Gomel zu unterstützen.“ Dazu überreichte er noch einen Scheck in Höhe von 250 Euro an die Dorfgemeinschaft.

Auch wenn das atomare Unglück von Tschernobyl inzwischen 26 Jahre her ist, die Menschen in diesem Gebiet leiden noch immer unter den Folgen. Und nicht nur diejenigen, die die Katastrophe damals miterlebten.

Die Geschichte des Reaktorunfalls ist noch nicht zu Ende. Die niedergegangene radioaktive Wolke belastete insbesondere die Region Gomel im Südosten Weißrusslands. Viele Menschen sind dort an diversen Krebsarten erkrankt. Die Anzahl der Schilddrüsen- und Blut- erkrankungen steigt jährlich. Besonders betroffen sind Säuglinge und Kinder, die in dieser verstrahlten Umwelt geboren sind und aufwachsen.

Das durch die Krankheiten geschwächte Immunsystem der Kinder wird durch den Aufenthalt im Landkreis Uelzen gestärkt. Mit einer nachhaltigen und für die Gesundheit aufbauenden Wirkung. Durch den stabilisierenden Faktor entfällt für die meisten der Kinder ein Krankenhausaufenthalt für den Rest des Jahres.

Unbeschwerte vier Wochen sollen die Kinder in der hiesigen Region genießen. Gesunde Ernährung und der Aufenthalt in sauberer Luft sollen genauso dazu beitragen wie ein buntes Programm mit Ausflügen an die See, in den Zoo Hannover, Drachenboot fahren in Groß Liedern oder Grillnachmittagen bei verschiedenen Gastgebern.

Und auch an Tagen wie diesen, an denen es nur regnet, gibt es genügend Abwechslung. Für das große Abschlussfest in Wichmannsburg studieren die Mädchen bei flotter Musik Tänze ein, die Jungen üben sich derweil in Geduldspielen. Gemeinsam wird das Mittagessen vorbereitet, werden Küchenarbeiten übernommen.

Mit einer fröhlichen Unbekümmertheit sind die Kinder dabei und bringen dies auch auf einer Tafel mit ihren Namen und einem freundlichen „Ich liebe Deutschland“ zum Ausdruck. – Kann es für die Gasteltern, den ehrenamtlichen Helfern des Kirchenkreises und den Sponsoren Schöneres geben?

Von Ulrich Bleuel

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