Unregelmäßigkeiten in einer Jagdkasse bringen den Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer in Bedrängnis

Unregelmäßigkeiten in einer Jagdkasse

Mit dem Frieden ist es vorerst vorbei bei der Jagdgenossenschaft Suderburg: Die unklare Kasse sorgt für Zoff zwischen dem ausgeschiedenen Kassenwart und dem Vorstand.

Uelzen/Suderburg. Rund 500 Euro zu viel in der Kasse der Jagdgenossenschaft Suderburg bringen den hiesigen CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer in Erklärungsnot. Hillmer sieht sich als Kassenwart der Genossenschaft dem Vorwurf ausgesetzt, dieses Amt mit „gravierenden Mängeln“ (so ein Kassenprüfer) ausgeübt zu haben.

Auf einer turbulenten Hauptversammlung im März verweigerten daraufhin 21 der 35 versammelten Mitglieder dem CDU-Spitzenmann die Entlastung. Hillmer trat nicht wieder an – er sieht sich als Opfer einer Schmutzkampagne. Und der Vorstand versucht seitdem herauszufinden, wie es eigentlich um die Kasse der Jagdgenossenschaft bestellt ist.

Jörg Hillmer

Jörg Hillmer war als Kassenwart dafür zuständig, von den Pächtern die Jagdpacht einzufordern. Wenn einer nicht fristgerecht zum 1. April zahlt, muss der Kassenwart das dem Vorstand melden. Außerdem müssen die Mitpächter des jeweiligen Jagdreviers den Restbetrag übernehmen, da sie gesamtschuldnerisch haften. „Diesen Rest hätte Herr Hillmer also in diesem Fall von den beiden anderen Pächtern einfordern müssen, die sich mit ihm das Jagdrevier teilen“, bestätigt Kassenprüfer Henning Janssen auf AZ-Nachfrage. Pikanterweise ist Hillmer einer dieser Mitpächter, er hätte das Geld also von sich selbst und dem anderen Mitpächter einfordern müssen. Stattdessen aber sei der Fehlbetrag durch ein Polster ausgeglichen worden, das sich in der Jagdkasse befinde, so der Vorstandsvorsitzende Kiesow: Anstatt dass Hillmer oder der zweite Mitpächter selbst gezahlt hätten, habe der CDU-Mann gewissermaßen öffentliches Geld aus der Genossenschaftskasse genommen, bis der säumige Zahler schließlich Monate später überwiesen habe. „Das ist aber in keiner Bilanz aufgeführt“, kritisiert Kiesow.

Kassenprüfer Janssen ging in der Hauptversammlung sogar noch einen Schritt weiter: „Zumindest die Jahresberichte 2008, 2009 und 2010 waren so erstellt, dass bei den jährlichen Kassenprüfungen die Fehlbeträge nicht vakant und somit von den Kassenprüfern nicht erkannt und beanstandet werden konnten.“ Die Sache sei aufgefallen, weil plötzlich rund 500 Euro zu viel in der Kasse waren – ein Pächter, der im Rückstand gewesen sei, hatte nachträglich gezahlt.

„Wir wissen bis heute nicht, ob unsere Kasse stimmt, wie oft und wie lange Pächter im Verzug waren und über wie viele Jahre das so praktiziert wurde“, klagt der Vorstandsvorsitzende. Frühere Jahre aufzuarbeiten, erweist sich als schwierig. Denn Hillmer hat nach eigenen Angaben nur die Unterlagen der vergangenen vier Jahre aufbewahrt – obwohl laut Kiesow mindestens sieben vorgeschrieben sind. „Das weiß ich nicht“, erklärt Hillmer gegenüber der AZ – eine Aussage, die der Vorstand fassungslos vernimmt angesichts der Tatsache, dass der Landtagsabgeordnete Betriebswirtschaftslehre studiert hat und Vorsitzender des CDU-Landesfachausschusses für Wirtschaft ist.

Dass Pächter in Verzug waren, sei häufiger vorgekommen, räumt Jörg Hillmer gegenüber der AZ ein. „Das waren auch mal bis zu sechs Monate.“ Ob er diese Vorgänge dem Vorstand gemeldet habe, wisse er nicht mehr.

Zum Umstand, dass er in mindestens einem Fall als Mitpächter hätte selber geradestehen müssen für den ausstehenden Beitrag, will sich der Suderburger nicht äußern: „Ich sage nichts zu Personen“.

 Jahrelang habe niemanden interessiert, wenn Beiträge später eingegangen waren, jetzt aber gebe es „Leute im Vorstand, die Unfrieden säen wollen. Hier wird in allerlei Richtung schmutzige Wäsche gewaschen und da mache ich nicht mit. Deshalb bin ich zurückgetreten“, sagt Jörg Hillmer.

Von Thomas Mitzlaff

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