AZ-Interview: Peter Hellström ist neuer Leiter des Jugendzentrums – ein Blick in die Zukunft

Aufräumen mit Vorurteilen

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Gibt dem Angebot im Uelzener Jugendzentrum einen neuen „Anstrich“: Peter Hellström arbeitet jetzt dort, wo er schon als Jugendlicher ehrenamtlich mitgeholfen hat.

Uelzen. Er ist das neue Gesicht des Uelzener Jugendzentrums (Juz): Peter Hellström leitet seit Beginn des Jahres die Einrichtung am Ilmenauufer. Gemeinsam mit seinem Team möchte er „ein komplett neues Konzept“ für das Juz entwickeln.

Wie das konkret aussehen wird, verrät er im Gespräch mit AZ-Mitarbeiterin Anna Petersen.

AZ: Herr Hellström, erst Mitarbeiter des Kindertreffs am Königsberg, außerdem Vorsitzender des Stadtjugendrings und jetzt Leiter des Uelzener Jugendzentrums – Sie scheinen sich der Jugendarbeit ja regelrecht verschrieben zu haben...

Peter Hellström: Ich bin damit groß geworden. Schon mit 13 oder 14 Jahren habe ich mit der ehrenamtlichen Jugendarbeit angefangen. Was kaum einer weiß: Das war hier im Jugendzentrum. Das erste Mal bin ich mit neun Jahren hier aufgetaucht, im Alter von 14 Jahren habe ich dann bereits eine Wochenendfreizeit geleitet und mit 15 meinen ersten Schlüssel für das Haus bekommen. Es gibt hier heute noch eine Wechselgeldkasse, da steht auf einem der Fächer „Schlüssel von Peter“ – seit damals. Der Kontakt zum Haus war immer da und die Leidenschaft für meinen Beruf ist tatsächlich hier entstanden.

Das heißt, Sie können den direkten Vergleich zu früher ziehen: Was hat sich denn seitdem im Jugendzentrum verändert?

Das waren ganz andere Umstände vor 30 Jahren. Damals gab es keine Ganztagsschulen und nicht so viele Möglichkeiten, seine freie Zeit zu gestalten. Freizeittempel, wie man sie heute kennt, gab es nur in den großen Städten. Hier in Uelzen hast du ein paar Diskotheken gehabt. Heute kann man sich unter einer Fülle an Angeboten etwas aussuchen, auch ohne sich binden zu müssen. Außerdem ist die Jugend viel mobiler geworden.

Das klingt nach einer positiven Entwicklung...

Es gibt immer solche und solche Ansichten. Aus jugendlicher Sicht, glaube ich, ist das tatsächlich positiv, weil man alles hat und alles machbar ist. So kann man sich die Freizeit einfacher gestalten. Hinderlich ist nur, wenn sich die Kids das nicht leisten können. Kinder- und Jugendarbeit aber ist, Angebote zu schaffen, die sich jeder leisten kann.

Ist das so etwas wie Ihr Motto als neuer Leiter des Juz – Kindern ein breites, aber kostenloses Angebot bieten zu wollen?

Motto – damit legt man sich so fest (lacht). Generell muss Jugendarbeit so gut sein, dass möglichst viele sich beteiligen können. Ich habe schon so viele Ideen im Kopf, was man für die Jugendlichen in Uelzen noch erarbeiten kann...

Zum Beispiel?

Wir werden wieder Konzerte und kulturelle Veranstaltungen ins Haus holen und dafür den Vereinen, die das umsetzen, die Nutzung der Räume wieder schmackhaft machen. Auch mit den Schulen und umliegenden Organisationen wollen wir viel mehr kooperieren.

Was könnten das konkret für Veranstaltungen sein?

Zum Beispiel eine LAN – Party, wie sie jetzt direkt geplant ist. Jeder bringt seinen Rechner mit und wir spielen dann von Freitag auf Samstag über ein gemeinsames Netzwerk Spiele. WoW (World of Warcraft) zum Beispiel ist solch ein Netzwerk. Das Ganze soll im Frühjahr stattfinden. Aber allgemein sind wir noch in der Findungsphase.

Wie genau sieht diese Findungsphase denn aus?

Seit eineinhalb Wochen sitzen wir als Team immer wieder zusammen und machen Brain-storming. Dabei schließen wir nichts aus, schauen, was wir machen können. Zuerst einmal analysieren wir dafür aber die Ist-Phase: Was ist vor Ort, was wird genutzt, wo liegt Potenzial?

Außerdem die Frage: Was können wir machen, um anderen Besuch an das Haus zu binden?

Wir sind dabei, ein komplett neues Konzept für das Jugendzentrum zu entwickeln. Dafür ist zum Beispiel geplant, demnächst eine Umfrage an Schulen zu machen. Es soll eine Analyse darüber stattfinden, was die Jugendlichen vom Juz erwarten und wie sie sich beteiligen wollen.

Apropos Selbstbeteiligung. Ist das etwas, das Sie voraussetzen?

Es macht gar keinen Sinn, es anders zu machen. Ich kann mir ganz tolle Sachen überlegen – ich habe schließlich ständig mit Jugendlichen zu tun – aber sie direkt daran zu beteiligen, macht mehr Sinn. Dann nutzen sie das Angebot auch.

Mal ein anderes Thema: Ist es auch ein Stück weit Imagearbeit, die Sie jetzt leisten müssen?

Ja, schließlich wollen wir, dass das Juz nach vorne geht. Wir werden viel öffentliche Arbeit machen und zeigen, dass viele Vorurteile nicht haltbar sind.

Was sind das denn für Vorurteile?

Dass man hier angepöbelt wird, getrunken wird, man Angst haben muss. Das stimmt aber alles nicht! Es hat hier schon lange keine Schlägereien mehr gegeben – im Gegenteil. Wir wollen zeigen, dass sich hier auch ganz tolle Gruppen gebildet haben – die Breakdance-Gruppe Dizwon zum Beispiel und Musikgruppen, die lokalen Bekanntheitsgrad erlangt haben.

Noch eine abschließende Frage: Was reizt Sie so sehr an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Sie ist immer abwechslungsreich und man kann ganz viele Ideen ausprobieren und umsetzen. Dabei wird es nie langweilig.

Und es ist toll, wenn Kinder und Jugendliche die Angebote annehmen und immer wieder gern kommen. Und da schließt sich der Kreis, denn so war es bei mir damals auch.

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