Ein bunter Brocken

Aufgabe mit Gewicht: Wolfgang Duszynski restauriert in Uelzen den Weg der Steine

Frische Farbe für den „Stein der Liebenden“: Wolfgang Duszynski restauriert an der Veerßer Straße zurzeit die Fels-skulptur. Insgesamt bilden 21 Granitblöcke den Uelzener Weg der Steine.
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Frische Farbe für den „Stein der Liebenden“: Wolfgang Duszynski restauriert an der Veerßer Straße zurzeit die Fels-skulptur. Insgesamt bilden 21 Granitblöcke den Uelzener Weg der Steine.

Uelzen – Diese Schlange beißt nicht. Doch Wolfgang Duszynski muss dennoch behutsam vorgehen. Mit feinen Pinselstrichen nähert er sich ihr – ein kräftiges Grün für den Leib, ein Weiß für ihre Maserung.

Der 69-jährige Künstler hat damit begonnen, die 21 Felsskuplturen in Uelzens Innenstadt mit Motiven von Dagmar Glemme zu restaurieren.

Mit den Jahren sind witterungsbedingt die eigentlich farbenfrohen Motive verblasst, teils sind sie gar nicht mehr zu erkennen. Duszynski arbeitet nun nach. Eine Aufgabe, die der 69-Jährige gerne übernahm. Seine eigenen Bilder strotzen auch vor Farben. Er sagt: „Ich liebe Farben.“

In Duszynskis Leben hat schon immer Kunst und das Malen eine Rolle gespielt, wie er erzählt. Im Versicherungswesen für Großunternehmen arbeitete er, im Privaten griff er zu Pinsel und Farbpalette. Im Uelzener Kunstverein kümmert er sich um Ausstellungen – über den Verein ist er auch zu dem Projekt in Uelzens Innenstadt gekommen.

21 Granitblöcke säumen seit 2008 den Weg vom Hundertwasser-Bahnhof in die Innenstadt. Dagmar Glemme hat mit Acrylfarben auf ihnen einen Kosmos mit Fabelwesen, Symbolen und Schriftzügen geschaffen – das alles erinnert an Sagen und Mythen alter Völker sowie an Traumbilder Marc Chagalls. Glemme besuchte in Uelzen die Schule, heute lebt sie in Schweden. So suchte die Stadtverwaltung hier vor Ort Hilfe für die Restauration und fand sie in Duszynski.

Der 69-Jährige steht für die Arbeit mit Dagmar Glemme in Kontakt. Fotos von den Felsskulpturen, die beim Entstehen der Motive gemacht wurden, helfen Duszynski. Er will die Motive so originalgetreu wie möglich nachempfinden. „Eigene Kreativität ist hier nicht gefragt“, sagt der Künstler.

Der „Stein der Liebenden“ an der Veerßer Straße in Höhe des Herzogenplatzes ist der erste Granitblock, mit dem sich Wolfgang Duszynski befasst. Zuspruch für seine Arbeit kommt von den Passanten, „die zeigen Interesse und finden das gut.“ Die Restauration ist aber nicht leicht.

Ein Stein ist keine glatte Leinwand. „Die Farbpartikel müssen bis in die Poren vordringen“, erläutert der Künstler. So sind die Farben für eine Grundierung zu verdünnen, dann wird fein noch einmal nach gearbeitet. Wie lange Duszynski für eine Felsskulptur benötigt, ist daher abhängig vom Untergrund und den Motiven.

Ein Schriftzug in goldener Farbe auf dem „Stein der Liebenden“ beanspruchte den Künstler für zwölf Stunden. Die nächsten Tage wird er auch noch an der Veerßer Straße zugange sein, und gearbeitet werden kann auch nur, wenn es trocken ist.

Peu à peu sollen weitere Steine restauriert werden. Das Projekt begleitet ihn also noch eine Zeit. Aber Wolfgang Duszynski liebt ja Farben.

VON NORMAN REUTER

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