Missverständnisse zwischen Eltern und Behörden beim Thema Schulbegleitung

Auffällig ist nicht gleich bedürftig

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Schulbegleiter unterstützen Kinder mit einer körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderung im Unterricht. 

Uelzen – Mein Kind ist auffällig – braucht es eine Schulbegleitung? Bei der Frage, ob ein Schüler aufgrund einer seelischen oder körperlichen oder geistigen Einschränkung besonderen Förderbedarf hat, kommt es zwischen Eltern und den beteiligten Behörden häufig zu Missverständnissen, wie jetzt im Jugendhilfeausschuss des Landkreises berichtet wurde.

„Nicht jedes Kind mit auffälligem Verhalten ist in seiner Fähigkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt“, erklärt Christian Röschke vom Jugendamt des Landkreises. „Unruhige Kinder gab es schon immer – und viele von ihnen kommen trotzdem gut zurecht.“ Schulbegleiter dagegen sollen den Leidensdruck betroffener Schüler verringern und ihnen ermöglichen, trotz ihrer Behinderung am Unterricht teilzunehmen. „Manchmal kommen Eltern zu uns, die sagen: ,Mein Kind könnte mit Einzelbetreuung besser in der Schule sein’. Das ist nicht unser Thema“, stellt Christian Röschke klar.

Stattdessen müsse zuerst ein Attest vom (Fach-)Arzt vorliegen, das dem jeweiligen Kind eine bestehende oder drohende Behinderung bescheinigt. „Der Verdacht alleine reicht nicht aus.“

Erst, wenn diese Voraussetzung gegeben ist, könnten die zuständigen Behörden – das Sozialamt bei einer körperlichen oder geistigen, die Jugendhilfe bei einer vorhandenen oder drohenden seelischen Behinderung – den tatsächlichen Bedarf feststellen. Denn wie der Jugendamtsmitarbeiter auch berichtet, ist ein Schulbegleiter nur eine Form der Eingliederungshilfe. Darum müsse in jedem Fall einzeln geprüft werden, wie dem Kind am besten geholfen werden kann.

Tatsache ist, dass die Schulbegleitungen im Landkreis Uelzen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind und derzeit auf einem hohen Niveau stagnieren. „Vor zwölf, 15 Jahren waren Schulbegleitungen ein absoluter Einzelfall“, erinnert sich die Leiterin der Grundschule in Rosche, Susanne Prehm.

Inzwischen gibt es in den insgesamt acht Klassen an der Roscher Grundschule vier Schulbegleiter. Sind mehrere Schulbegleiter in einer Klasse, erschwere das den Unterricht der Lehrkräfte. „Bei uns achten wir darauf, dass wir möglichst nur einen Schulbegleiter pro Klasse haben“, sagt Susanne Prehm. „Problematisch wird es an den Oberschulen, wenn dort alles zusammenkommt und dann drei oder vier Begleiter in einer Klasse sitzen.“

VON SANDRA HACKENBERG

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