Kassenärztliche Hotline ist seit Montag in Betrieb

Arztbesuch – geht es jetzt schneller? Die AZ machte den Test

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Seit Montag vergibt die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen Arzttermine.

Uelzen. Die Dieterichsstraße, Mittwochmorgen um sieben Uhr. In der Dunkelheit warten acht Uelzener in einer Schlange darauf, dass sie ins Wartezimmer des Orthopäden gelassen werden. Ein Mann wartet seit 6 Uhr, er wird um 8 Uhr der Erste sein, den der Doktor behandelt.

Das Warten auf die Vormittags-Sprechstunde ohne Termin ist etabliert und es wird akzeptiert. Nur manche kritisieren den „Wahnsinn“.

Bei einer anderen Uelzener Orthopädin gibt es auf telefonische Anfrage ohne weiteres einen Termin – allerdings erst für den 14. April. In 79 Tagen oder knapp elfeinhalb Wochen also. Wenn man mit Beschwerden so lange wartet, muss man dann überhaupt zum Arzt?

Weitere Testanrufe, bei Uelzener Augenärzten, ergeben ein gemischtes Bild: Eine Augenärztin kann erst Ende Mai einen Termin anbieten. Allerdings, so die Sprechstundenhilfe, gebe es einen neuen Kollegen in der Praxis. Bei dem sei am am 8. Februar schon ein Termin frei. Zu einem anderen Augenarzt könnte man am 17. März in die Sprechstunde.

Wie groß ist also das Problem, in Uelzen einen Facharzt-Termin zu bekommen? Die Versorgung mit Ärzten sieht nach den Daten der Kassenärztlichen Vereinigung erstmal gut aus. Die Versorgung mit Orthopäden in Uelzen liegt mit 125 Prozent genauso über den gesetzlichen Vorgaben wie die Versorgung mit Augenärzten, die bei 112 Prozent liegt.

Auf Nachfrage räumt Sprecher Dr. Uwe Köster aber ein, dass diese Zahlen die Wirklichkeit nur bedingt abbildeten. Zum einen schlage sich der demografische Wandel in Behandlungszahlen nieder, mit denen die Ärztezahl nicht mithalten könne – „multi-morbide“ Patienten, solche mit zahlreichen Beschwerden, nähmen sehr häufig Termine in Anspruch. Des Weiteren gebe mittlerweile die reine Ärztezahl nicht mehr eine klare Behandlungszeit wieder. Denn vor allem bei Ärztinnen gebe es einen Trend zur Teilzeitanstellung.

Verhilft die neu eingerichtete Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung jetzt zu einem schnelleren Arzttermin? Ein Anruf bei der Servicestelle.

Ohne gültige Überweisung mit Code kann nach einem Augenarzttermin oder einem Termin beim Gynäkologen gefragt werden. Die Entscheidung fällt einem Mann leicht: Augenarzt.

Nur wenige Momente nach dem ersten Klingeln meldet sich am anderen Ende eine Mitarbeiterin: „Willkommen bei der Terminservicestelle der Kassenärztliche Vereinigung.“ Einen Termin kann sie für Mittwoch, 3. Februar, um 8 Uhr anbieten. Und zwar bei dem Arzt, der selbst erst am 17. März einen Termin angeboten hatte. Hintergrund: Die Fachärzte müssen inzwischen Termine für die Vergabe durch die Servicestelle vorhalten. Was wiederum „normale“ Termine blockiert. Der Test nach dem Start der Servicestelle vermittelt dennoch einen guten Eindruck. Das Warten auf einen Augenarzttermin hat sich deutlich reduziert.

Auch die Servicestellen-Mitarbeiterin bestätigt: „Die Leute freuen sich. Wir können auch am dritten Tag immer noch Termine für die nächste Woche vermitteln. “

Dies gelte auch für überweisungspflichtige Fachrichtungen wie Orthopäden. Und eine Überweisung zu bekommen, scheint in Uelzen leicht zu sein. Die Sprechstundenhilfe eines Allgemeinmediziners am Telefon sagte im Test: „Ich kriege sie heute noch unter.“

Von Steffen Kahl

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