Arbeitsplatz bis 17 Uhr in der Schule

Bestsellerautor Bernhard Bueb war zu Besuch in der Uelzener Stadthalle. Sein Vortrag stieß im Publikum auf wenig Kritik.

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Bestsellerautor und Pädagoge Bernhard Bueb sorgte für Andrang in der Stadthalle, unter den Besuchern viele Lehrer, aber auch sehr viele Eltern. Über „Aufstieg durch Bildung“ sprach Bueb und las der deutschen Bildungspolitik die Leviten. Viel zu einseitig auf akademische Bildung sei das Schulwesen in unserem Lande ausgerichtet.

Wenn Bueb von Bildung spricht, dann meint er Menschenbildung. „Zu viele Lehrer unterrichten Fächer und nicht Kinder“, zitiert er die Reformpädagogen. Das deutsche Gymnasium siedele das Reden über Theater immer noch höher an als das Theaterspielen. Die Schule in Deutschland sei eine Belehrungsschule, und es zähle an ihr nur messbares Wissen. „Damit ziehen wir den bleichen Klassenbesten als Idealtyp des Gymnasiums heran, einen, den man sicherlich nicht heiraten möchte.“ Aufgabe von Schule sei aber nicht, lexikalisches Wissen zu vermitteln, sondern Schüler in die Lage zu versetzen, selber zu lernen, Urteile zu fällen und die richtigen Fragen zu stellen. Kinder brauchen die Anerkennung von Erwachsenen und Gleichaltrigen, sagt Bueb. Damit das gelinge, müssten die Erwachsenen Zeit für die Kinder haben. Alles nicht neu, gewiss. Bueb aber folgert daraus, dass flächendeckend und gesetzlich vorgeschrieben die Ganztagsschule etabliert werden müsse – wie überall in den Ländern rings um uns herum.

Aber nicht die Form der Ganztagsschule, wie sie mit dem Gymnasium existiert. „Das ist Ganztagsschule in ihrer schlimmsten Form“, stellt Bueb klar. Was er sich unter Ganztagsschule vorstellt, das orientiert sich am Internat Schloss Salem, dessen Leiter er jahrelang war. Natürlich brauche man dazu Lehrer, die das auch wollten, gibt er zu und fordert: „Der Arbeitsplatz des Lehrers ist bis 17 Uhr die Schule.“ Die Arbeitshaltung werde sich schon einstellen, wenn man erst einmal so arbeite, sagt er und argumentiert mit Karl Marx: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Wünschenswert allemal, eine solche Ganztagsschule, aber nur umsetzbar, wenn auch die Politik das Geld herausgibt, das eine solche Schule kostet. Auch Bueb weiß: Die Verhältnisse sind nicht so.

Skepsis auch unter den Zuhörern nach der Veranstaltung. Das Gros, soviel wird klar, nachdem Bueb längst fort ist, würde sofort seine Kinder auf eine solche Schule schicken, und auch bei den Lehrern regt sich kaum eine Stimme gegen Buebs Modell. Und ein Lehrer kommentiert das denn auch mit Marx: „Die Philosophen haben die Welt immer nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

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