Hoher Belastungsdruck für Mitarbeiter

100 Arbeitskräfte fehlen im Landkreis: Pflege gerät in Schieflage

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Brigitte Menzel ist eine von 135 DRK-Mitarbeitern in der Altenpflege. Der Kreisverband würde gerne weitere Kräfte einstellen. Doch es fehlen die Bewerber. Die Kräfte im Dienst müssen so immer weitere Aufgaben übernehmen.

Uelzen/Landkreis. Die Altenpflege im Landkreis Uelzen gerät zunehmend in Schieflage: Die jüngsten Zahlen zu unbesetzten Stellen lassen bei Rüdiger Schlechter, Fachbereichsleiter für Altenpflege beim DRK, die Alarmglocken schrillen.

Von der Agentur für Arbeit hat er die Auskunft erhalten, dass es derzeit rund 60 Gesuche nach Pflegepersonal gebe. Schlechter weiß: Mit einem Gesuch halten Träger von Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen teils nach mehreren Fachkräften Ausschau. Er kommt so auf mindestens 100 unbesetzte Pflegestellen im Kreis Uelzen.

Schlechter sieht dringenden Handlungsbedarf: Angesichts fehlender Bewerber würden Mitarbeiter zunehmend mit weiteren Aufgaben belastet, sagt der Bereichsleiter. Die Folge: hoher Krankenstand, viele Aussteiger. Und: Die Lage werde sich weiter zuspitzen. „Bis 2030 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland, so ist es Prognosen zu entnehmen, nahezu verdoppeln.“

Im Landkreis Uelzen haben Träger von Pflegeeinrichtungen und -diensten bereits ein gemeinsames Netzwerk gegründet, um beim Thema Personalengpässe gegensteuern zu können.

Gemeinsam wird für den Pflegeberuf geworben – bislang mit überschaubarem Erfolg. Stefan Müller-Teusler, Geschäftsführer des Paritätischen Uelzen: „Wir schaffen es gerade noch, die Arbeit abzudecken. Jeder Patient wird versorgt. Aber große Sprünge nach oben sind nicht mehr möglich.“ Das DRK hat in den vergangenen Jahren Hoffnungen in ein angeschobenes Projekt gesetzt, mit dem ausländische Kräfte für die Pflege gewonnen werden sollten. Sie wurden nur bedingt erfüllt. „Es fehlte das soziale Umfeld für die Mitarbeiter“, so Schlechter. Teils seien sie aus Heimweh wieder in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt. Schlechter als auch Müller- Teusler erwarten Unterstützung vom Land und Bund. Als untragbar empfindet Schlechter, dass immer noch ausgebildete Krankenschwestern nur bedingt in der Altenpflege arbeiten dürfen oder umgekehrt Altenpfleger in Kliniken. „Eine generalisierende Ausbildung befindet sich in der politischen Diskussion. Entschieden ist noch nichts“, so Schlechter. Eine Pflegekammer sei nun als Interessenvertretung aufgebaut worden – „es wird Zeit, dass sich etwas ändert.“

Von Norman Reuter

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