„Arbeit von 20 Jahren vernichtet“

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Fast alle großen Fische sind verendet – auch dieser stolze 1,10 Meter große Silberkarpfen.

Ebstorf - Von Meike Bornemann. „Seit mittlerweile 18 Jahren wird der Wiesensee in Ebstorf von uns bewirtschaftet, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagt Wolfgang Kühl, Vorsitzender des Angelsportverein Schwienau (ASV) fassungslos. Im Wiesensee sind in diesem Jahr extrem viele Fische verendet.

Täglich sind die Gewässerwarte des Vereins, Otto Tetzlaff und Günter Wiezorek, an dem Ebstorfer Gewässer unterwegs. Auf diesen Rundgängen haben sie in den letzten Tagen etliche Kilogramm toter Tiere aus dem See gefischt. Jetzt, nachdem das große Tauen eingesetzt hat, wird das ganze Ausmaß der Katastrophe erst sichtbar. Am vergangenen Sonntag haben die Mitglieder des ASV elf große Karpfen, zwei Zander, zwei Barsche und rund 15 Kilogramm Weißfische tot aus dem Wasser geholt.

Wolfgang Kühl: „Die Ursache für dieses Sterben ist im Nachhinein schwer zu bestimmen. Schon im letzten Winter hat es bei vielen Fischern ähnliche Fälle gegeben. Wir sind glücklicherweise verschont geblieben.“

Eine Ursache für das Fischsterben könnte die lange Zeit geschlossene Schneedecke auf dem Eis des Sees sein. „Das im Winter eh spärliche Sonnenlicht wird vom Schnee abgeschirmt. Dadurch können die Wasserpflanzen keinen Sauerstoff mehr produzieren. Durch diesen Mangel ist das Wasser gekippt und die Fische sind erstickt.“ Um andere Ursachen auszuschließen, wurden von den oberirdischen Wasserzuläufen Proben genommen und zur Analyse geschickt.

„Da es sich beim Wiesensee um ein Regenrückhaltebecken handelt, fließt Oberflächenwasser von den umliegenden Feldern und Straßen rein. Da auf den Straßen eine große Menge Salz gestreut wurde, könnte dieses auch eine mögliche Ursache sein“, so Kühl. Eine weitere Ursache könnten die großen Mengen Laub sein, die im See verrotten oder aber der Schlamm, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. Im Frühjahr sollen erneut Wasserproben genommen und analysiert werden.

Besonders tragisch ist für die Angler, dass sie einen gut 20 Jahre alten Silberkarpfen mit einer Größe von 1,10 Meter und einem Gewicht von 25 Kilogramm tot aus dem Wiesensee fischen mussten. Fünf dieser Silberkarpfen wurden damals versehentlich mit „Bitterlingen“ in den See eingesetzt, sie hatten damals eine Größe von zehn Zentimetern.

Das ganze Ausmaß des Fischsterbens im Wiesensee lässt sich wohl erst im Laufe des Jahres feststellen. Aus den Fangstatistiken kann der Verein dann abschätzen, wie viele Tiere weniger gefangen wurden. Kühl: „Nach einem ersten Eindruck sind aber nahezu alle großen Fische verendet. Damit ist die Arbeit von gut 20 Jahren zum großen Teil vernichtet.“

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