Appelle, Applaus und Sirenengeheul

Wichtiger Fingerzeig: Ministerpräsident Christian Wulff appellierte an den Kreis Uelzen, ein Gutachten über Zusammenschlüsse mit anderen Kreisen in Auftrag zu geben. Foto: Ph. Schulze

Uelzen-Oldenstadt - Von Bernd Schossadowski. Die Region Uelzen mit dem VfL Wolfsburg zu vergleichen, ist auf den ersten Blick weit hergeholt. Doch Ministerpräsident Christian Wulff schaffte diesen Spagat gestern Abend beim Sommertreffen des Landkreises im Historischen Zentrum in Oldenstadt mühelos. Die "Wölfe" seien Deutscher Meister geworden, weil ihre Spieler wüssten, wohin sie laufen müssten. Diese Weitsicht legte Wulff auch den Verantwortlichen im Kreis Uelzen ans Herz. "Ich muss Sie bitten, dort hinzulaufen, wohin der Ball gespielt wird", sagte er.Sein Appell war eindeutig: Der Kreis Uelzen möge ein Gutachten über die Chancen einer Fusion mit anderen Landkreisen in Auftrag geben.

Wobei Wulff ausdrücklich die Plural-Form wählte: eine Zusammenarbeit mehrerer und nicht nur zweier Kreise auf freiwilliger Basis. Das Land werde einen Großteil der Kosten für die Erstellung der Expertise übernehmen, machte Wulff diese den Anwesenden schmackhaft.Mit seinem Wunsch vertrat der CDU-Politiker eine andere Auffassung als Uelzens Landrat Theodor Elster. Dieser hatte kürzlich das Gutachten zum gegenwärtigen Zeitpunkt als wenig sinnvoll bezeichnet. Gegenüber der AZ ging Wulff noch weiter. "Der Prozess sollte so abgeschlossen sein, dass zur Kommunalwahl 2011 in der neuen Struktur gewählt werden kann", forderte er. Daher müssten die Kreise nun Fahrt aufnehmen. "Wenn wir zu langsam sind, werden andere die Oberhand gewinnen mit Modellen am Reißbrett", warnte er vor dem Vorschlag, Niedersachsen in acht Großregionen aufzuteilen. Diese würden jedoch zu mehr Bürgerferne führen, befürchtet er.Zügig soll nach Wulffs Vorstellungen auch die Autobahn 39 realisiert werden, deren Bau aus seiner Sicht ein "Glücksfall für diese Region" wäre. "Wenn man das will, kann das sehr schnell gehen. Ich möchte die Inbetriebnahme der A 39 noch als Ministerpräsident erleben."Ebenso brach er eine Lanze für mehr bürgerschaftliches Engagement und eine "Kultur der Anerkennung" in der Gesellschaft. Dabei rief er den Kreis Uelzen auf, sich an der Niedersächsischen Ehrenamtskarte zu beteiligen. Diese könne ein Schlüssel für künftige Fusionen von Landkreisen sein.Auch die Unterstützung des Fachhochschul-Standortes Suderburg liegt Wulff am Herzen. Das Ziel müsse sein, die Zahl der Studierenden auf 1000 zu steigern – sehr zur Freude von Landrat Elster. Dieser dankte Wulff, dass das Land den Weg für den Verbund Suderburgs mit der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel frei gemacht habe. Dadurch werde der Fortbestand des Studienstandortes Suderburg gesichert und dessen Ausbau ermöglicht.Enttäuscht sei der Uelzener Kreistag hingegen, dass das Land die Bundesmittel für den Neu- und Umbau von Kinderkrippen nicht stärker aufgestockt habe, sagte Elster. Dem entgegnete Wulff, dass Niedersachsen für dieses Projekt 470 Millionen Euro beisteuere.Wulffs Rede stieß nicht nur auf viel Applaus, sondern am Ende auch auf lautes Sirenengeheul. Die Feuerwehr Oldenstadt wurde um 20.11 Uhr zu einem Scheunenbrand nach Tatern gerufen. Zum Glück war’s nur eine Alarmübung.

Erschienen: 18.06.2009: AZ / TZ / Seite:5

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