Stadt reagiert mit Ködern

Anwohnerin beobachtet Ratten in Hansen: „Es ekelt mich an“

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Sie gelten als intelligent und gesellig – aber haben unter Menschen nur wenige Freunde: Ratten. Besonders auf Essenreste haben sie es abgesehen, weiß Karl-Heinz Köhler vom NABU.

Uelzen-Hansen. Wenn Stefanie Biel in der Werkstatt steht, dann hört sie es in den Wänden rascheln: Ratten. Die Hansenerin trifft sie auf der Straße, wenn sie ihre Kinder zum Schulbus bringt, sie sieht sie an der Hausfassade entlang klettern und auf dem Dach spazieren.

Der Ekel ist groß: „Da laufen auf einmal vier Ratten über das Sichtfenster – das ist nicht schön. “ Für Stefanie Biel steht außer Frage: Hansen hat ein Rattenproblem.

Durchschnittlich zweimal im Monat geht bei der Stadt Uelzen eine Befallsmeldung aus der Bevölkerung ein, teilt Sprecherin Ute Krüger auf AZ-Nachfrage mit. „Ratten halten sich aufgrund der relativ alten Bebauung und Leitungsnetze besonders im Bereich der Kernstadt sowie am Stadtgraben und an der Ilmenau auf.“ Bei Abriss- und Erdbewegungsarbeiten würden ebenfalls immer wieder Tiere gesichtet.

Auch Stefanie Biel hat die Stadt auf das Problem in Hansen hingewiesen. Dreimal, sagt sie, habe sie zum Telefonhörer gegriffen. Inzwischen wurde der Kanalbereich mit Ködern belegt. Doch allen Mühen zum Trotz: „Es ist immer noch Bewegung, immer noch so, dass es raschelt“, sagt sie. „Es ekelt mich an.“

Zudem treibt die Hansenerin noch eine andere Sorge um: „Ratten übertragen auch Krankheiten. Die sind nicht ungefährlich.“

Das bestätigt Karl-Heinz Köhler, Vorsitzender der NABU-Kreisgruppe Uelzen. Und mehr noch: Nicht ausschließen möchte der NABU-Chef, dass das Vorkommen der besonders robusten Wanderratten durch oft unachtsam weggeworfene Lebensmittel noch immer steige. Nach Angaben der Stadt ist die Befallsentwicklung in Uelzen insgesamt konstant.

Das Problem: Ratten vermehren sich rasant, werden bereits nach wenigen Monaten geschlechtsreif.

Die Tiere – eine Gruppe kann laut Köhler bis zu 50 Tiere umfassen – fühlen sich besonders in Abwasserkanälen wohl. „Es kann passieren, dass Ratten durch das Klo hochkommen. Da muss man höchst aufpassen“, warnt Köhler und rät dringend davon ab, Essensreste in die Kanalisation zu spülen. So etwas würden sich die intelligenten Nager sofort merken. Insbesondere Produkte aus der Küche sollten so beseitigt werden, dass die Ratten keinen Zugang zu ihnen bekommen.

Auch die Stadt Uelzen hat, laut Krüger, die Ratten-Situation im Blick: Im gesamten Kanalnetz sowie an gefährdeten Objekten im Freiland werde das Vorkommen seit Jahren geprüft. Dazu würden regelmäßig Köder zur Probe ausgelegt, um das Rattenvorkommen feststellen und bekämpfen zu können.

So geschehen in Hansen. Doch dort hat Stefanie Biel bereits die ersten Schäden gesichtet: Die unbeliebten Nager haben sich an der neuen Werkstattisolierung zu schaffen gemacht, berichtet sie verärgert. Möglichkeiten zur Erstattung gebe es nicht. Biel: „Ich möchte einfach, dass die Viecher verschwinden.“

Von Anna Petersen

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