Anwohner klagen über Gestank aus Kanalschächten in Veerßen / Stadt setzt auf Eisensalz-Lösung

Nase zu und durch

+
„Es stinkt wie auf der Kläranlage“: Im Umfeld der Celler Straße in Veerßen wabert oft fauliger Gestank aus den Kanalschächten. Die Stadt will nun eine spezielle chemische Lösung ins Abwasser einleiten, die die Gerüche bekämpft.

Uelzen-Veerßen. Für die meisten Menschen ist der Sommer ein Segen, doch viele Anwohner der Celler Straße in Veerßen blicken der warmen Jahreszeit bereits jetzt mit Sorge entgegen.

Der Grund sind starke Fäkalgerüche aus den Kanalschächten, die sich vor allem bei warmem Wetter ausbreiten und den Anwohnern den Aufenthalt im Freien verleiden. „Wenn wir auf der Terrasse sitzen, und es fängt zu stinken an, müssen wir ins Haus gehen. Der Geruch ist einfach nicht auszuhalten“, kritisiert eine Veerßerin, die ihren Namen nicht in der AZ lesen möchte.

Lesen Sie mehr dazu:

Bange Blicke auf Behälter

Behälter mit viel Konfliktpotenzial

Auch ihr Ehemann klagt über den fauligen Gestank, der aus den Abwasserkanälen wabert: „Das geht schon seit mehr als zehn Jahren so. Es stinkt wie auf der Kläranlage.“ Besonders schlimm sei es bei schwül-warmem Wetter. Doch auch gestern – bei Temperaturen von fünf Grad – waren die Fäkalgerüche an der Celler Straße deutlich wahrnehmbar. „Man riecht das manchmal sogar in der Innenstadt“, hat der Mann festgestellt.

Schon viele Male habe er sich schriftlich und telefonisch bei der Stadt darüber beschwert. Den guten Willen will er der Verwaltung nicht absprechen. „Die bemüht sich wirklich und hat schon alles Mögliche ausprobiert, aber ohne Erfolg.“ So seien beispielsweise Kokosmatten mit Geruchsfiltern in die Kanaldeckel eingesetzt worden. Das habe aber für nur wenige Wochen etwas gebracht, berichtet der frustrierte Anwohner.

Die Verwaltung habe das Problem erkannt, sagt Stadtplaner Michael Kopske im AZ-Gespräch. Ursache der Gerüche seien Fäulnisgase, die sich im Schmutzwasser bildeten, wenn sich dieses in den Kanälen staue. Erst wenn das Wasser in den Druckrohrleitungen einen bestimmten Pegel erreicht habe, werde es zur Kläranlage weitergepumpt. „Weil die Kanäle aber sehr groß sind, steht das Wasser oft lange darin“, erläutert Kopske. Betroffen davon sei vor allem die Celler Straße in Veerßen zwischen der Bahnlinie und dem ehemaligen Supermarkt.

Die Stadt glaube aber, jetzt ein wirksames Mittel gegen die Gerüche gefunden zu haben, sagt Kopske. So sei in der Nähe des Pumpwerks in Holdenstedt der Bau eines Tanks geplant. In dem 2,50 bis 2,80 Meter hohen Behälter werde eine Lösung aus Eisen(II)-chlorid gelagert. Diese soll in die Schmutzwasserkanäle eingeleitet und weitergepumpt werden. „Dabei werden die Faulungsprozesse und die Gerüche bekämpft“, so Kopske.

Ob die Eisensalz-Lösung wirklich Erfolg haben wird, sei fraglich, meint dagegen der Anwohner der Celler Straße. „Wahrscheinlich gibt es gar nichts, was da hilft“, vermutet er. Auf jeden Fall gilt für ihn vorerst: Nase zu und durch.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare