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Einige Anwohner der Karlstraße genervt von Zuwachs der Tauben-Population

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Von: Lars Becker

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in der Karlstraße fliegen 65 Tauben über die Dächer
Beim AZ-Ortstermin in der Karlstraße fliegen gestern Morgen 65 Tauben über die Dächer. Der Großteil von ihnen lässt sich auf dem Haus von Gretel Mädge nieder – die 89-Jährige ist genervt vom Dreck, der sie Geld kostet. © Lars Becker

Wenn es nach dem Eindruck einiger Anwohner geht, dann fühlen sich die Tauben in Uelzen in der Karlstraße am wohlsten. Dort hat die Population angeblich stark zugenommen. Liegt das womöglich an gezielten Fütterungen?

Uelzen – Was zieht immer mehr Tauben in die Karlstraße? Diese Frage stellen sich etliche Anwohner seit Monaten. Nach ihrem Empfinden wächst die Population ständig weiter – mit den entsprechenden „Nebenwirkungen“: Vordächer, Wintergärten und Fassaden sind durch den Taubenkot arg beschmutzt. Vor allem das Haus von Gretel Mädge hat es den Tieren angetan: Gestern lässt sich ein Schwarm mit 65 Tauben bei der 89-Jährigen nieder. „Ich habe noch nie eine einzige Taube gefüttert. Aber bei mir sind sie alle – das ist doch gemein“, sagt die Seniorin.

Gemeinsam mit Nachbarin Birgit Boehnke, deren Mutter Gerda Knüpfer und Claudia Feller berichtet sie der AZ, dass die Population seit dem vorigen Winter wächst, während Eichelhäher, Amsel und Elster kaum zu sehen sind. Tatsächlich: Fährt kein Auto vorbei, liegt ein stetes Gurren über dem Straßenzug.

Gretel Mädge hat ein Einkaufsnetz dabei, darin wiederum liegt ein durchsichtiger Plastikbeutel. Der Inhalt: eine tote, teilweise verkohlte Taube. „Die ist von einer Fachfirma bei der Wartung der Ölheizung gefunden worden. Das ist doch gefährlich“, so die alte Dame, für die die Tauben inzwischen teuer sind: „Die puhlen das Moos heraus, die Dachrinne war verstopft. Ich musste eine Firma mit Hubwagen kommen lassen, das kostet richtig Geld. Alleine kann ich es nicht, ich bin auf Handwerker angewiesen.“

Im Bereich Karl- und Alewinstraße fühlen sich offenbar drei Tauben-Schwärme zu Hause, die sich gerne in der Luft vereinen. Offenbar gibt es hier Anwohner, die die Tiere anfüttern. Es soll sogar vorkommen, dass im größeren Stil Brot und Essensreste unweit auf einem Flachdach an die Tauben verfüttert werden. „Früher war das nicht so schlimm. Die Tauben warten jetzt schon förmlich darauf, dass sie etwas bekommen. Als ich mal versehentlich mit einem Eimer geklappert habe, kamen die im Sturzflug zwischen den Häusern angeflogen – wie bei Hitchcock. Vom Klatschen lassen die sich längst nicht mehr vertreiben“, erzählt Claudia Feller. Sie steigt schon mal abends in die Badewanne und klopft mit einem Schrubber an die Traufe, um die Tauben vom Nisten abzuhalten. „Spikes zur Abwehr interessieren die nicht“, sagt sie.

Birgit Boehnke meint: „Das Füttern ist für mich falsch verstandene Tierliebe. Die Stadt muss uns doch mal sagen, was wir tun können.“ Über das städtische Online-Portal „Sag‘s uns einfach“ hat sie das Thema Anfang Oktober ins Rathaus kommuniziert. Sie spricht dabei sogar von einer „Tauben-Invasion“.

Auf AZ-Anfrage bestätigt Stadtsprecherin Ute Krüger, dass die Problematik grundsätzlich und auch der konkrete Fall bekannt sei. Betroffene würden im Einzelfall bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten wie baulichen Veränderungen, Beseitigung von Lande- und Nistmöglichkeiten oder Futterplätzen unterstützt. In der Karlstraße habe im vergangenen Jahr die Umgestaltung der Wildvogelfutterstelle eines Nachbarn das Problem gemindert.

Pläne, der Tauben-Population beispielsweise wie in Lüneburg über gezielte Anfütterung und Austausch der echten gegen Gips-Eier Herr zu werden, gebe es in Uelzen nicht. Sowohl über „Sag‘s uns einfach“ als auch über den Fachbereich Ordnungswesen könnten sich Betroffene aber an die Stadt wenden.

Die vier Nachbarinnen in der Karlstraße hoffen vor allem, dass das Füttern der Tauben aufhört. Rotmilan und Turmfalke würden dafür sorgen, dass die Natur das Thema selbst regele, meint eine andere Anwohnerin, die auf ihrem Dachboden sogar eine größere Taubengruppe duldet, aber auch verstehen kann, dass der Dreck gerade ältere Menschen zunehmend nervt. Wie Gretel Mädge.

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