Nach Fällungen in der Hansestadt: Antrag aus der Politik

Mehr Bäume für Uelzen

Fichte Opfer des Klimawandels
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Für jeden Baum, der in Uelzen gefällt wird, sollen mindestens zwei neue gepflanzt werden - so lautet der Antrag von CDU und der Grünen-Gruppe.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Für jeden Baum der in der Uelzen gefällt wird, sollen mindestens zwei neue gepflanzt werden. Das ist ein Antrag, den die CDU und die Gruppe um die Grünen im Rat gestellt haben. Er wurde schon mal diskutiert. 

Uelzen – Die Baumfällungen zu Beginn des Jahres in Uelzen wirken nach. Ein Schreiben erreichte in diesen Tagen das Rathaus. Es handelt sich um einen politischen Antrag, in dem gefordert wird: Für jeden Baum, der im Stadtgebiet gefällt wird, sind mindestens zwei neue zu pflanzen.

Über einen gleichlautenden Antrag diskutierte die Uelzener Politik bereits im Februar und März 2019. Damals stellte ihn die Gruppe aus Grünen, FDP, Linke und Piraten. Sie konnte sich aber nicht damit durchsetzen. Der erneute Antrag trägt ebenfalls das Signet der Gruppe rund um die Grünen, allerdings gehört auch die CDU im Rat zu den Antragstellern.

Karl-Heinz Schmäschke, Vorsitzender der Gruppe aus Grünen, FDP, Linke und Piraten, sagt: „Wir sehen am Beispiel des Parkplatzes vor der Sparkasse, wie sich ein Stadtbild ändert, wenn Bäume nicht mehr zu sehen sind.“ Dort waren im Februar in Vorbereitung zu Bauarbeiten etwa 60 Bäume gefällt worden. Auch in Veerßen auf dem Gelände der ehemaligen Klinik sowie im Breidenbeck wurden Bäume abgeholzt. In der Stadt brach eine Diskussion los (AZ berichtete).

Für Schmäschke ist es „die aktuelle Situation“, in der sich der Antrag noch einmal anbot. Wie er erklärt, sei seine Gruppe auf die CDU mit der Frage zugegangen, ob sie den Antrag mit unterzeichne.

Karl-Heinz Günther (CDU) erklärt: Ziel von Ersatzpflanzungen solle es sein, die Auswirkungen von Eingriffen zu minimieren. Es bedürfe eines Ausgleichs für die Natur. Modellen wie ein andiskutierter Umweltfonds, in den beispielsweise Investoren zahlen, wenn sie nicht die gleiche Menge Bäume nachpflanzen können und mit dessen Mitteln dann andere Natur-Projekte realisiert werden sollen, kann er nichts abgewinnen: Ein Freikaufen sei nicht gewollt.

Dass in der Frage der Ersatzpflanzungen jetzt die CDU-Fraktion und die Gruppe aus Grünen, FDP, Linke und Piraten gemeinsam agieren, finden die Beteiligten nicht ungewöhnlich. Karl-Heinz Schmäschke von der Gruppe: „Mir geht es um die Sache.“ Und Karl-Heinz Günther erinnert an die Legislaturperiode von 2011 bis 2016, in der CDU und Grüne im Uelzener Rat zusammengearbeitet haben.

Der erste Antrag 2019 war vor dem Hintergrund einer entstandenen Schieflage in Sachen Bäume gestellt worden. Nach einem Uelzener Haushaltsdefizit in Millionenhöhe 2015 hatte die Politik ein Sparprogramm aufgelegt – betroffen war auch die Grünpflege. Weil Pflanzungen Geld kosten, war nicht jeder gefällte Baum ersetzt worden. Der Vorstoß dann 2019, zwei neue Bäume für einen gefällten zu pflanzen, fand keine Mehrheit. Als Kompromiss war eine Eins-zu-Eins-Regelung beschlossen worden, die nach Auskunft der Stadt auch umgesetzt wird. Die Antragssteller erinnern aber an den Baumschwund in den Jahren 2015 bis 2017.

Sicherlich werde, wenn sich eine Mehrheit für den erneuten Antrag findet, Geld für Pflanzungen in die Hand genommen werden müssen, sagt Karl-Heinz Günther. „Aber man kann nicht alles wirtschaftlich sehen.“ Im Antrag wird die Bedeutung der Bäume herausgestellt: „Bäume fördern nicht nur das Wohlbefinden der Menschen, sie dienen als Sauerstoffproduzent und Luftfilter sowie als natürliche Kühlanlage im Sommer.“ Und: „Vor dem Hintergrund der Erderwärmung wird von Fachleuten insbesondere die Begrünung der Städte gefordert.“

KOMMENTAR

Grünere Zeiten?! ‒ VON NORMAN REUTER

Wie sich die Zeiten doch ändern! 2019 hatte Karl-Heinz Schmäschke mit Vehemenz die stärkeren Ersatzpflanzungen eingefordert, ohne dass seine Gruppe dafür eine politische Mehrheit fand. Der Beschluss damals: Für jeden gefällten Baum wird ein neuer gesetzt – nach Jahren des Baumschwundes immerhin ein Fortschritt, ohne dass dafür die Politik Applaus verdient hätte: Schließlich werden Baumsterben und Artenschutz seit den 1980er-Jahren diskutiert.

Jetzt ein neuer Anlauf – und die Gruppe um die Grünen weiß die CDU an ihrer Seite – mit einer Bürgermeisterkandidatin, die zu Klimawandel geforscht hat. Und wer könnte etwas dagegen sagen? Eine SPD, die Jürgen Markwardt als Kandidaten aufstellte, der zuletzt im Interview sagte, man müsse sich noch stärker dem Klimaschutz widmen, sicher nicht.

2019 war in der Diskussion auch darüber gesprochen worden, dass Bäume nicht nur wichtig für die Umwelt sind, sondern im Stadtgebiet für Anlieger auch Arbeit bedeuten. Blätter fallen im Herbst, Wurzeln drücken Gehwege kaputt. Die politischen Beratungen werden zeigen, welchen Stellenwert diese Themen im Zusammenhang mit den Ersatzpflanzungen noch haben.

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