Westerweyhe: Grundstückseigentümer fürchten Insolvenzen durch Ausbau der Ortsdurchfahrt

Anlieger haben Existenzängste

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Die Fahrbahn der Ortsdurchfahrt Westerweyhe ist aus Sicht der Stadt sanierungsbedürftig. An den Kosten von knapp 2,3 Millionen Euro werden die Anlieger beteiligt. Innerhalb von sechs Monaten müssen sie zum Teil Summen in fünfstelliger Höhe aufbringen.

Uelzen. „Tatsache ist, dass keiner von uns Anwohnern mit seinem Pkw die Fahrbahn so ruiniert hat." Die Anlieger der Hugo-Steinfeld-Straße und der Straße Altes Dorf in Westerweyhe wollen sich nicht an den Kosten für den Ausbau der Ortsdurchfahrt beteiligen, da die Schäden auf der Fahrbahn und auf den Gehwegen durch den starken Lastwagen-Verkehr verursacht worden seien.

Das machten sie am Donnerstagabend bei der Anliegerversammlung im Rathaus Uelzen deutlich, bei der ihnen das Vorhaben der Stadt Uelzen erläutert wurde.

Bis zum 31. Januar will die Stadt für die knapp 2,3 Millionen Euro teure Sanierung der Ortsdurchfahrt Zuschüsse beim Land beantragen, Ende Juli/Anfang August soll der Ausbau des ersten Abschnitts an der Hugo-Steinfeld-Straße beginnen. Der zweite Bauabschnitt Altes Dorf ist für nächstes Jahr vorgesehen. An der Fahrbahnerneuerung, der Oberflächenentwässerung und dem Bau des an den meisten Stellen künftig 2,50 Meter breiten Geh- und Radwegs werden die Anlieger je nach Grundstücksgröße und Zahl der Wohngeschosse beteiligt. Bei einer 3000 Quadratmeter großen Fläche und zwei Geschossen liegt der Betrag für einen Anlieger an der Straße Altes Dorf bei 16 575 Euro. Der endgültige Betrag steht erst dann fest, wenn die Maßnahme abgeschlossen ist.

„Haben Sie sich einmal überlegt, wie wir das Geld aufbringen sollen“, will Anwohner Christoph Oetzmann wissen, dessen Betrieb samt Wohnhaus an der Straße Altes Dorf liegt. Rund 50 000 Euro kämen auf ihn zu, wie er erst in dieser Woche erfahren habe. In einem halben Jahr soll er ebenso wie die anderen rund 40 Anlieger eine 70-prozentige Vorauszahlung leisten. Der Betrag eines Nachbarn liege bei rund 70 000 Euro. „Also ich kann das nicht zahlen. Muss ich deshalb in Insolvenz gehen“, fragt Oetzmann. Und ein weiterer Gedanke treibt die Nachbarn um: Sie fürchten, dass es nicht dabei bleibt und die Kosten noch weiter steigen könnten.

„Mir wird übel, das sind richtige Existenzängste.“ – „Vor allen Dingen sind viele von uns Rentner“, äußern weitere Betroffene ihre Sorgen und ernten Beifall. Die Frage, wie jemand mit einer monatlichen Rente von 900 Euro das Geld aufbringen soll, kann auch Bernd Behn vom zuständigen Fachbereich bei der Stadt nicht beantworten. Er verweist darauf, dass die Stadt Ratenzahlungen ermögliche, bei denen jedoch Zinsen anfielen. „Ich nehme keinen Kredit auf“, sagt eine Anliegerin und regt an, bis zum 31. Januar der Stadt schriftlich den Unmut mitzuteilen. „Ich werde das an die Verwaltungsspitze weitertragen“, erklärt Behn.

Seit Jahren sprechen sich Anlieger der Ortsdurchfahrt – größtenteils junge Familien und Rentner – für eine Verkehrsberuhigung aus. Dass der Ausbau der Straßen mit künftig an den meisten Stellen 5,60 Meter Breite die erhoffte Ruhe mit sich bringt, bezweifeln die Anlieger. Für eine verkehrsberuhigte Variante erhalte die Stadt jedoch keine Zuschüsse vom Land, betonte Behn.

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