Landwirte in Sorge

Angst vor weiterer Dürre: Im Landkreis Uelzen läuft bereits wieder die Beregnung 

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Landwirte im Landkreis haben bereits die Beregnung angestellt – wie hier bei Lehmke. Sie müssen jedoch verantwortungsvoll mit ihrem Wasserkontingent umgehen, sagt Kreislandwirt Thorsten Riggert. Niederschläge gibt es zurzeit kaum.

Uelzen/Landkreis – Auf Feldern von Jan-Wilhelm Strampe wachsen zurzeit Winterraps und Wintergerste heran. Bei Sonne satt, 25 Grad und niedriger Luftfeuchtigkeit – im April.

Der Landwirt, der bei Barum Flächen bewirtschaftet, lässt, damit Raps und Gerste ausreichend Wasser bekommen, die künstliche Beregnung laufen. Er hat schon Jahre erlebt, in denen er so früh mit der Beregnung starten musste. Und doch sind er und Berufskollegen beunruhigt.

Zu präsent ist noch das vergangene Jahr, in dem es im Frühjahr schlagartig warm wurde und der Sommer nicht enden wollte. Von einem Jahrhundertsommer ist die Rede. Landwirte hatten mit enormer Hitze und Dürre zu kämpfen. In der Region konnten extreme Ernteeinbußen zwar durch die künstliche Beregnung verhindert werden. Die Frage ist aber, ob das noch einmal möglich ist, wenn der Sommer wieder lang und trocken wird. Strampe sagt: „Wir sind besorgt.“

Um 2018 das Schlimmste zu verhindern, brauchten die Landwirte weit mehr Beregnungswasser als in den Vorjahren. Jörg Martens, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisverbandes der Wasser und Bodenverbände Uelzen, berichtet, dass Landwirte die zweieinhalbfache Menge an Wasser im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr als Regen über die Felder fallen ließen.

Der Knackpunkt: Den Landwirten stehen nicht unendliche Mengen an Beregnungswasser zur Verfügung. Sie bekommen ein Wasserkontingent, das jeweils nach Bodenwertpunkten berechnet wird, als gleitende Zehn-Jahres-Menge vergeben. Bei einer Überschreitung der Menge drohen saftige Ordnungsgelder, so Martens.

Die Mengenvergabe liegt in Verantwortung des Landkreises. Nach dem Jahrhundertsommer führte der hiesige Bauernverband Verhandlungen mit dem Landkreis, was die Wasserkontingente für die Landwirte betrifft. Den Bauern wurde etwas Luft verschafft, damit sie auch 2019 beregnen können, wie Kreislandwirt Thorsten Riggert sagt. Aber: Kommt wieder eine so starke Dürre wie 2018, wird es für die Landwirte richtig eng.

Thorsten Riggert erklärt, dass deshalb Landwirte bereits abwägen würden, wie viel Wasser sie auf Pflanzen geben. Manch einer lasse lieber Wasser beim Getreide weg und lebe mit Ausfällen, um die Kartoffel und Zuckerrüben ausreichend beregnen zu können. Mit ihnen lasse sich Geld verdienen, das zur Unterhaltung der Betriebe benötigt wird.

Der Deutsche Wetterdienst warnt aktuell vor einer erneuten Dürre 2019 – sie könnte sogar noch jene aus dem Vorjahr übertreffen, heißt es. Fest steht bereits, dass das Frühjahr viel zu trocken war und aktuell sind auch keine ergiebigen Niederschläge in Sicht.

Ein Regen in der Nacht zu Donnerstag war ein Tropfen auf dem heißen Stein. „1,5 Millimeter sind gefallen“, sagt Landwirt Jan-Wilhelm Strampe. Das habe kaum geholfen. Und Hilger Erdmann, Wetterexperte für die Region, sagt, dass in den nächsten Tagen allenfalls mit lokalen Schauern zu rechnen sei. Und: „Nächste Woche wird es dann wieder trocken.“

VON NORMAN REUTER

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