Tierhalter gründen Interessengemeinschaft für Nordost-Niedersachsen

Wer hat Angst vorm Wolf?

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Die Tierhalter solidarisieren sich, um bei Wolfsattacken gegen ihre Tiere besser abgesichert zu sein.

Uelzen/Landkreis. Die Tierhalter im Landkreis Uelzen machen mobil und gründen die „Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Nordostniedersachsen“. Ziel soll es sein, die Politik nachdrücklich auf den Handlungsbedarf bezüglich des Wolfes aufmerksam zu machen.

Einer der Initiatoren ist Rudolf Michaelis aus Rätzlingen. Er hält Rinder. Schaden hat bei ihm der Wolf nicht angerichtet, aber „wir hatten den Wolf neben unseren Tieren, und die waren sehr nervös“.

„Michaelis und seine Mitstreiter setzen sich für die Entstehung einer neutralen Internetplattform ein, bei der von jedermann sämtliche direkte und indirekte Begegnungen mit dem Wolf gemeldet werden können. Mittels einer Petition machen sie sich beim Landtag für ihre Forderungen stark. „Wir breiten uns über Nordost-Niedersachsen aus, damit wir mehr Gehör finden“, sagt Michaelis. Es gehe eben nicht nur um finanzielle Entschädigung, sondern auch um die Einsicht beim Ministerium. Die Tierhalter haben für sich festgestellt, dass der aktuelle Entwurf der Förderrichtlinie zum Wolf keinesfalls ausreiche und nicht ansatzweise alle wichtigen Aspekte beinhalte. Beispielsweise würden indirekte Schäden durch den Wolf, wie ausgebrochene Rinder und Pferde oder Fehlgeburten erleidende Schafe, nicht bedacht, geschweige denn entschädigt.

Kritisiert seitens der Tierhalter wird auch die Informationspolitik über den Wolf. „Zunehmend wird der Eindruck gewonnen, dass ein Deckmantel des Schweigens über die Entwicklung der Wolfspopulation in unserer Region gelegt wird“, finden Michaelis und seine Mitstreiter.

Dem widerspricht der Wolfsbeauftragte Theo Grüntjens. „Wir wollen nichts verschleiern.“ Grüntjens befürwortet die Initiative der Tierhalter. Er sieht darin ein „Forum, das die Ängste nimmt“. Positiv bewertet Grüntjens auch die geplante Internetplattform. Aus zwei Gründen: Zum einen könnten Spaziergänger, die Angst haben, sich einen anderen Weg auswählen, zum anderen können diejenigen, die die Wölfe beobachten wollen, gezielt nach ihnen suchen.

Drei Rudel sind Grüntjens bekannt. Ihre Reviere sind die Truppenübungsplätze in Bergen und Munster sowie das Rheinmetallgelände bei Unterlüß. „Uns sind rund 30 einzelne Tiere in der Region bekannt“, sagt Grüntjens. Er schätzt, dass es im nächsten Jahr ein bis zwei Rudel mehr sein könnten.

Die Forderung der Tierhalter, dass ein vernünftiges Wolfsmanagement nötig sei, bei dem ein Wolf auch mal aus der Wildbahn entnommen – also abgeschossen – werden kann, wenn er sich nicht benehme, hält Grüntjens für bereits erfüllt: „Wir können einen Wolf aus der Wildbahn entnehmen. Der bürokratische Weg ist kurz und die gesetzlichen Grundlagen gegeben.“ Ein Beispiel, inwiefern sich ein Wolf „schlecht benehmen“ kann, gibt es im Nachbarkreis Celle: Dort soll ein Wolf in einem Damwild-Gehege bei Eschede zehn Tiere gerissen haben. Die DNA-Analyse steht allerdings noch aus. Walter Cordes aus Brockhöfe hält ebenfalls Damwild. Sein Gehege umfasst 200 Tiere und erstreckt sich auf 25 Hektar. „Ich habe gerade 8000 Euro in einen neuen Zaun investiert“, schildert der Tierhalter, betont allerdings: „Keiner will die Wölfe ausrotten, aber sie müssen Angst vor dem Menschen haben.“

Die haben die Tiere nicht. Das bestätigt auch Grüntjens: „Wölfe sind neugierig und gucken, was in ihrer Umwelt passiert. Die Tiere haben keine Angst vor dem Menschen. Menschen gehören aber auch nicht zur Beute der Wölfe.“ Trotzdem akzeptiert Grüntjens die „Rotkäppchen-Angst“ – wie er sie nennt. Für ihn ist der Wolf wie ein großer Fuchs. Und: Wildschweine seien immer noch gefährlicher für den Menschen.

Das Fazit der Tierhalter lautet: „Es muss wohl erst ‘etwas Schlimmeres’ passieren, bevor Politik und Gesellschaft den Ernst der Lage erkennen und nötige Maßnahmen bezüglich des Wolfes ergriffen werden.“

Von Jörn Nolting

 

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