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Zwei Jahre Stillstand: Ortsrat Groß Liedern schlägt in Sachen Dorfgemeinschaftshaus Alarm

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Von: Lars Becker

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Im Schaukasten am Dorfgemeinschaftshaus prangt die Mitteilung des Vorstands vom 12. September 2021, dass das Gebäude „aufgrund von Baumaßnahmen“ geschlossen bleibt.
Im Schaukasten am Dorfgemeinschaftshaus prangt die Mitteilung des Vorstands vom 12. September 2021, dass das Gebäude „aufgrund von Baumaßnahmen“ geschlossen bleibt.  Die indes gab es noch gar nicht. Auf dem Geld lastet ein Sperrvermerk.  © Lars Becker

Viele Bürger in Groß Liedern sind besorgt um ihr Dorfgemeinschaftshaus. In der Ortsratsitzung wird hitzig diskutiert.

Uelzen-Groß Liedern – Der Saal im Gasthaus Niedersachsen-Krog ist rappelvoll, als der Ortsrat für Groß Liedern, Hanstedt II und Mehre tagt. Den Bürgern brennt ein Thema unter den Nägeln: das Dorfgemeinschaftshaus Groß Liedern. Dessen Nutzung ist seit September 2020 seitens der Hansestadt Uelzen untersagt – wegen Mängeln bei Statik, Brandschutz und Elektroinstallation. Nach mehr als zwei Jahren Stillstand verlangen der Ortsrat und die Dorfgemeinschaft jetzt Klarheit in der Frage, wann und wie es weitergehen soll.

Die Kosten, um das Haus „vor der Weiternutzung in einen genehmigungsfähigen Zustand zu bringen“, wie es der Erste Stadtrat Dr. Florian Ebeling formuliert, sind seitens des Gebäudemanagements auf 410 000 Euro beziffert worden. Nach Abzug von Eigenleistungen der Dorfgemeinschaft in Höhe von 60 000 Euro bleiben 350 000 Euro. Dieses Geld stehe zwar im Haushalt fürs laufende Jahr, zunächst aber müsste der Verwaltungsausschuss einen Sperrvermerk aufheben. „Die abschließende politische Diskussion und Entscheidung sind noch nicht erfolgt“, sagt Ebeling.

Damit lassen sich die Bürger und der Ortsrat nicht abspeisen. Es entwickelt sich eine 80-minütige, leidenschaftliche Diskussion. Viele Bürger melden sich zu Wort. Sie gehen die Verwaltung scharf an: „Wir haben neben der Feuerwehr nur die Dorfgemeinschaft als Verein. Das sollte die Stadt bedenken, bevor man sie platt macht“, sagt ein Bürger. „Wir gehen unter, wenn die Dorfgemeinschaft verschwindet“, sagt ein anderer. Auch der Ortsrat selbst muss sich Kritik anhören: „Da wird nichts forciert, ihr müsst Druck machen“, heißt es. Oder: „Ihr müsst das auch ordentlich verkaufen!“

Es geht weiter die Angst im Ort um, die Stadt wolle das Gebäude samt Grundstück veräußern. Vorgeschlagen wird auch, das Haus abzureißen und einen Neubau in Erwägung zu ziehen – unter Berücksichtigung von möglichen Fördertöpfen. Oder aber die Stadt solle das Gebäude zum Nulltarif an die Dorfgemeinschaft abtreten.

René Sieg, der 2. Vorsitzende, spricht für die Dorfgemeinschaft, weil der Vorsitzende Torsten Feige, der auch dem Ortsrat angehört, krankheitsbedingt nicht dabei sein kann. Sieg warnt: „Fast die Hälfte aller Groß Liederner ist über Familienmitgliedschaften in der Dorfgemeinschaft. Jetzt verzeichnen wir leichte Rückgänge – na klar: weil nichts los ist. Uns fehlt, dass sich die Stadt mit uns hinsetzt und dass alles auf den Tisch kommt. Man muss mit uns reden, damit wir auf belastbare Zahlen kommen.“

Florian Ebeling verteidigt die Verwaltung: Man stehe sehr wohl im Kontakt, das Thema Eigenleistung habe aber beispielsweise Grenzen – etwa bei der Elektrik. Die Haushaltslage sorge dafür, dass man das Geld nicht leichtfertig freigebe: „Das ist eine schwere Entscheidung!“

Der Ortsrat will beantragen, dass der Verwaltungsausschuss das Dorfgemeinschaftshaus auf seine nächste Tagesordnung nimmt. Von dort wird es mutmaßlich in die Fraktionen verwiesen.

Wilfried Teichmann (SPD) erntet viel Applaus, als er betont: „Ich sehe nicht tatenlos zu, wie die ehrenamtlich geführte Dorfgemeinschaft den Bach runtergeht. Kommt es zu einem Verkauf, sind meine Tage als Ortsbürgermeister gezählt. Wir können aber nicht weitere zwei Jahre warten und riskieren, dass sich die Dorfgemeinschaft auflöst. Das tut mir in der Seele weh! Wir werden Druck in Richtung Politik machen und müssen zu einem schnellen Ergebnis kommen.“

Die Dorfgemeinschaft Groß Liedern trifft sich am Sonnabend, 22. Oktober, um 17 Uhr in der Feuerwehrscheune zu ihrer Mitgliederversammlung. Auf der Tagesordnung stehen die Punkte „Zukunft Dorfgemeinschaft“ und „Zukunft Dorfgemeinschaftshaus und des Geländes“. Uelzens Stadtbaurat Dr. Andreas Stefansky soll sich in diesem Rahmen den Fragen der Bürger stellen – nach der Ortsratssitzung ist klar: Viele werden kommen.

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