Ralf Jahns wütend über das türkische Urteil gegen Marco Weiss

Die Angst kehrt zurück

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Ralf Jahns und Marco Weiss bei der Premiere des Films „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“.

Uelzen. Die Bestätigung des Urteils am obersten Berufungsgericht der Türkei gegen Marco Weiss weckt auch beim Vater des heute 23-Jährigen Erinnerungen an sorgenvolle Jahre und leidvolle Erfahrungen mit Medienanwälten.

„Urplötzlich reißen die verschüttet geglaubten Wunden wieder auf“, erklärt Ralf Jahns gegenüber der AZ und erinnert sich an schlaflose Nächte und seine Angst um den Überlebenswillen seines Sohnes.

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„Was bleibt, ist Unverständnis, ja Wut über ein abschließendes Urteil, dem ich mich beugen muss. Dem ich aber nicht zustimme“, betont er. „Bewährung bedeutet – da war was.“ Er selbst erklärt seinen Sohn jedoch auch sechs Jahre nach dem Osterurlaub in Antalya, bei dem laut des türkischen Urteils Marco Weiss eine damals 13-jährige Britin sexuell missbraucht haben soll, für unschuldig. „Das Gericht in Lüneburg hat dich durch die Einstellung des Verfahrens auf Basis einer identischen Beweislage rehabilitiert“, spricht Ralf Jahns seinen Sohn an. „Nur das zählt für mich. Nicht das Selbstschutzurteil einer türkischen Justiz, die momentan gezwungen ist, islamischem Gedankengut hinterher zu hecheln, um nicht selbst noch mehr in die Schusslinie der Regierung dieses Landes zu geraten.“ Auf ein gerechtes Urteil zu hoffen sei daher weltfremd.

Wie berichtet, hatte auch Marco Weiss immer seine Unschuld beteuert. Nachdem bekannt wurde, dass das Berufungsgericht die Bewährungsstrafe von zwei Jahren, zwei Monaten und 20 Tagen gegen den 23-Jährigen bestätigte, sagte er im AZ-Gespräch, dass die Nachricht über die nun rechtskräftige Verurteilung überraschend gekommen sei und „traurig und enttäuschend“ für ihn sei. Das Urteil über die Bewährungsstrafe war 2009 gefällt worden.

Seine Familie war auch nach dem Osterurlaub 2007 regelmäßig in die Türkei gereist, um die Prozesse gegen den Sohn zu verfolgen, der sich dort acht Monate lang im Gefängnis befand. Damit kommt bei Marco Weiss’ Vater jetzt auch wieder Ärger über die Erfahrung mit der „Spezies der Medienanwälte“ auf, wie er erklärt. Sie hätten das Blaue vom Himmel versprochen und seien eigentlich nur von Selbstdarstellung und Profilierungssucht bestimmt gewesen.

Würden die Mandanten selbst das Heft in die Hand nehmen, würden sie als geldgierig diffamiert, so Jahns. Er bezieht sich dabei unter anderem auf die Entscheidung, die Erfahrungen in einem Buch zu veröffentlichen. „Da will sich niemand mehr daran erinnern, dass dieselben Herren die Vermarktung in Film und Buch längst selbst geplant hatten – natürlich unter ,Einbeziehung’ der eigenen Person.“ Für Ralf Jahns lautet auch deshalb das Fazit: „Gott sei Dank, es ist vorbei!“

Von Diane Baatani

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