Körperverletzung auf Gudesstraße: Angeklagter erhält Geldstrafe

Angriff oder Notwehr?

Uelzen/Lüneburg. Nach dem Oktoberfest 2012 soll ein 35-jähriger Uelzener einen Mann auf der Gudesstraße so schwer geschlagen haben, dass er sich selbst dabei die Hand anbrach.

Gestern wurde der 35-Jährige in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Lüneburg wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von insgesamt 900 Euro verurteilt. Dabei setzte das Gericht auf die Aussagen mehrerer Zeugen, die die Angaben des Angeklagten stützten.

Vor Beginn des Verfahrens in erster Instanz hatte die Staatsanwaltschaft den Verdacht gehegt, dass die Zeugen eingeschüchtert worden sein könnten. Das geht aus einem internen Aktenvermerk hervor. Doch bis auf die Aussage der Freundin des Opfers hätten die Beobachter einen „überzeugenden Eindruck“ gemacht, erklärte Richter Dr. Volker König bei der Urteilsverkündung. Allerdings sei die Tat in der Nacht zum 22. September 2012 nicht – wie vom Angeklagten dargestellt – als Notwehr zu werten, da zu viel Zeit zwischen einem angeblichen vorausgegangenen Angriff durch den Nebenkläger und dem Hieb des Angeklagten vergangen sei, so König. Die Strafe fiel geringer aus als in erster Instanz: Das Amtsgericht hatte im vergangenen Mai 1500 Euro Geldstrafe festgelegt. Gestern forderte Strafverteidiger Rüdiger Proest Freispruch.

Dass der Angeklagte das nach dem Hieb am Boden liegende Opfer getreten und dabei einen Anbruch des Wadenbeins verursacht haben soll, hielt das Gericht trotz vorliegender Krankenhausberichte nicht für glaubwürdig. „Fußtritte hat es mit größter Wahrscheinlichkeit nicht gegeben“, sagte König, die Verletzung könne auch durch den Sturz erfolgt sein. Vielmehr folgte das Gericht den Aussagen, nach denen das Opfer mit einem Schlag auf die Nase des 35-Jährigen die Auseinandersetzung begonnen habe.

Ein weiterer Zeuge soll laut Vertreter des Opfers, Rechtsanwalt Thomas Kaczmarek, eingeräumt haben, den Angriff des Angeklagten gesehen zu haben. Vor Gericht erklärte der 46-jährige Mann gestern jedoch, er sei nicht vor Ort gewesen, er habe zu dem Zeitpunkt in einer Kneipe gearbeitet.

Von Diane Baatani

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare