Fall für das Landgericht in Lüneburg

Angriff mit dem Cuttermesser: Bienenbütteler muss in Haft

Ein 28-jähriger Mann aus Bienenbüttel hatte sich vor dem Landgericht Lüneburg zu verantworten, weil er die Eltern seiner Exfreundin mit einem Cuttermesser attackiert hatte.
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Ein 28-jähriger Mann aus Bienenbüttel hatte sich vor dem Landgericht Lüneburg zu verantworten, weil er die Eltern seiner Exfreundin mit einem Cuttermesser attackiert hatte.
  • Daniel Bieling
    VonDaniel Bieling
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Ein 28-jähriger Mann aus Bienenbüttel hatte sich im Dezember 2020 Zugang zur Wohnung der Eltern seiner Ex-Freundin in Lüneburg verschafft und diese mit einem Cuttermesser angegriffen. Dafür musste er sich vor dem Lüneburger Landgericht verantworten.

Bienenbüttel/Lüneburg – Gefährliche Körperverletzung oder versuchter Totschlag? Dieser Frage wurde gestern im Landgericht Lüneburg auf den Grund gegangen.

Zum Hintergrund: Ein 28-jähriger Bienenbütteler hatte am 7. Dezember 2020 die Eltern seiner Exfreundin in deren Wohnung in Lüneburg mit einem Cuttermesser attackiert. Dem war ein lange schwelender Konflikt mit der Freundin, die eine Einliegerwohnung über ihren Eltern bewohnt, vorangegangen. Mehrmals wird bei Gericht diese Beziehung als „toxisch“ beschrieben. Zum Tatzeitpunkt waren beide getrennt, was der 28-Jährige nicht akzeptieren wollte, steht in der Anklageschrift. Auch eine Anzeige wegen Stalking hatte es gegeben.

Der Angeklagte hatte gegen 23 Uhr mit einem Hammer die Scheibe der Wohnungstür zerschlagen und sich so Zutritt verschafft. Die Eltern der Exfreundin sollen daraufhin von dem Bienenbütteler angegriffen worden sein. Das Ehepaar erlitt dabei Verletzungen durch Stichwunden.

Dennoch konnten die Eheleute, gemeinsam mit der hinzugeeilten Tochter, den Angeklagten aus der Wohnung vertreiben. Dieser ergriff die Flucht und konnte schließlich kurz hinter der polnischen Grenze festgenommen werden.

Der Prozesstag gestern begann mit einem Vergleich. Der Angeklagte hatte sich bereit erklärt, eine Summe von insgesamt 22 500 Euro an die Eltern seiner Exfreundin, die ebenfalls als Nebenkläger auftraten, zu zahlen. Einen ersten Teil von 10 000 Euro zahlte der 28-Jährige noch gestern in bar. Die restlichen 12 500 Euro muss er in fünf monatlichen Raten à 2500 Euro zahlen. Außerdem entschuldigte sich der 28-Jährige bei dem Ehepaar, was diese stumm mit einem Nicken quittierten.

Die Tat sei „einer der schlimmsten Albträume, die man sich vorstellen kann“, eröffnete der Staatsanwalt sein Plädoyer. „Ich mache euch fertig. Ich steche euch ab“, soll der Angeklagte gerufen haben. Der Staatsanwalt sah jedoch die Kriterien für einen versuchten Totschlag nicht erfüllt.

So habe der Angeklagte von dem Ehemann abgelassen und hätte sich aufgrund seiner Kraft auch wieder Zutritt in die Wohnung verschaffen können. Der Angeklagte sei von seiner Tötungsabsicht zurückgetreten und daher nur für die gefährliche Körperverletzung zu bestrafen. Es sei zu berücksichtigen, dass die Eheleute bis heute an physischen und psychischen Folgen zu leiden hätten und der Angeklagte zudem nach der Tat immer wieder in der Nähe seiner Exfreundin aufgefallen sei. So forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Dies sah der Anwalt der Nebenklage, Thorsten Heß, anders. Für ihn stand die Tötungsabsicht des Angeklagten außer Frage, da er sofort angegriffen habe. „Es gab nicht ein einziges Innehalten von ihm“, so Heß. „Der Angeklagte ist erheblich brutal vorgegangen.“ Für Heß stand auch das Motiv fest: Eifersucht auf den neuen Freund der Exfreundin.

Zudem habe der Angeklagte nicht freiwillig aufgegeben, sein Tötungsversuch sei nur durch das Abbrechen des Messers gescheitert. „Der Angeklagte agierte erheblich menschenverachtend“, betonte Heß und forderte daher eine Freiheitsstrafe von „nicht unter fünf Jahren“.

Keinen Tötungsvorsatz sah wiederum Oliver Moro, Verteidiger des Angeklagten. Sein Mandant habe zuerst mit der Faust geschlagen und erst später zum Cuttermesser gegriffen. Dieses habe er nur mitgeführt, weil er es bei der Arbeit benötige. Moro erklärte außerdem, Widersprüche in den Zeugenaussagen, die an vorherigen Prozesstagen erfolgt waren, erkannt zu haben, und schrieb vor allem dem Ehemann „deutliche Belastungstendenzen“ zu. Sein Mandant habe freiwillig von der Tötung abgesehen und auch freiwillig das Haus verlassen, obwohl er die Tat jederzeit hätte vollenden können.

Strafmildernd müsse sich außerdem eine Alkoholisierung des Angeklagten sowie dessen Depression auswirken. Er sei außerdem zu einer Therapie bereit. So forderte die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren zur Bewährung.

Richter Franz Kompisch verurteilte den Bienenbütteler schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und fünf Monaten. Nach Kompischs Auffassung wollte der Angeklagte in die Wohnung, um seine Exfreundin zu treffen. Dass er auf Widerstand durch die Eltern getroffen sei, habe ihn überrascht. Da der Angeklagte zu dem Ehepaar keinen Kontakt hatte, sei der Angriff nur durch die Überraschung zu erklären. Schuldmildernde Umstände sah Kompisch nicht.

Als „eine Tat aus dem Nichts“ beschrieb der Richter den Vorfall und gab dem Bienenbütteler abschließend noch einen Rat auf den Weg: „Halten Sie sich von den Leuten fern.“

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