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Angestellte des Helios-Klinikums bei Kundgebung auf dem Herzogenplatz

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Von: Theresa Brand

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Streik Helios Herzogenplatz
Bereits zum zweiten Mal streiken die Beschäftigten des Helios-Klinikums in Uelzen. Sie fordern eine bessere Bezahlung, doch bislang konnte keine Einigung in den Tarifverhandlungen erzielt werden.  © Theresa Brand

In den Tarifverhandlungen zwischen dem Helios-Konzern und der Gewerkschaft Verdi konnte bis jetzt keine Einigung erreicht werden. Nun streiken die Beschäftigten auch in Uelzen erneut.

Uelzen – Bereits zum zweiten Mal streiken die Mitarbeitenden des Helios-Klinikums Uelzen: Nach einem Demonstrationszug vom Klinikum zum Herzogenplatz mit anschließender Kundgebung heute treffen sich die Beschäftigten am morgigen Dienstag online. Grund für die erneuten Streiks sind laut der zuständigen Verdi-Gewerkschaftssekretärin Silke Laatz die bislang erfolglosen Tarifverhandlungen zwischen Verdi und der Arbeitgeberseite (AZ berichtete). Da der Konzern bis jetzt kein Angebot vorgelegt habe, welches auch nur die Preissteigerung ausgleiche, würden sich die Beschäftigten von sieben Helios-Kliniken in Niedersachsen dazu gezwungen sehen, erneut ihre Arbeit niederzulegen.

Silke Laatz erklärt: „Viele Kollegen sind streikbereit, aber hier müssen Patienten versorgt werden. Wir streiken stellvertretend für alle“. Der Sprecher der Tarifkommission Verdi, Andre Schramm, ergänzt: „Es ist nicht wie bei VW oder an Metallstandorten – es kann keine Menschenmenge zusammenkommen, denn ein Krankenhaus kann man nicht einfach dichtmachen.“

Die Gewerkschaft war mit einer Forderung von 15 Prozent mehr Lohn in die Tarifverhandlungen gestartet. Auszubildende sollen 200 Euro mehr bekommen, zudem soll eine Corona-Prämie in Höhe von 1500 Euro und eine einheitliche Jahressonderzahlung in Höhe eines Monatslohns gezahlt werden. Ein wenig Bewegung habe es vonseiten des Arbeitgebers gegeben, erklärt Andre Schramm. Doch die angebotenen 75 Euro mehr im Monat seien absolut unzureichend.

Viele Angestellte müssten weite Arbeitswege mit dem Auto auf sich nehmen. „Und ob Sie da mit 75 Euro weiterkommen? – wenn Sie mal Tanken waren, wissen Sie, wie weit Sie damit kommen“, so Schramm.

Aber Geld ist nicht der alleinige Grund für die Streiks: Sie kämpfen auch für bessere Arbeitsbedingungen. In ihrer Kundgebung kritisieren die Beschäftigten die hohe Belastung, viele stünden am Rande der Erschöpfung. Ein großer Teil sei sogar in Teilzeit gewechselt, da der Beruf in Vollzeit kaum zu schaffen sei; nur so wäre Erholung zwischen den Schichten überhaupt möglich. Die Lohnerhöhung ist für Schramm „eine Art Schmerzensgeld für entgangene Lebensfreude“.

Auch die Auszubildenden leiden unter der Situation. Max Michaelis, selbst im dritten Lehrjahr, will das Helios-Klinikum direkt nach seiner Prüfung verlassen; und so gehe es vielen. Diese seien desillusioniert von dem, was sie tagtäglich erleben. Eine seiner Kolleginnen sei heute alleine mit einer examinierten Pflegekraft für eine komplette Station verantwortlich. „Auszubildende dürfen nicht mit einer Pflegekraft alleine arbeiten“, erklärt er.

Das Helios-Klinikum gibt auf AZ-Anfrage zu verstehen, dass mit dem Angebot einer Tarifsteigerung um einen Festbetrag rückwirkend zum 1. Januar 2022, einer erneuten fixen Tarifsteigerung zum 1. Januar 2023 und dem Vorziehen der Pflegezulage um ein Jahr sowie dem Verzicht auf die zunächst angebotenen Leermonate ein klares Signal gesetzt worden sei. Man sei einen großen Schritt auf die Gewerkschaft zugegangen und die Verdi-Verhandlungskommission habe dies ebenfalls getan. Von einer Einigung sei man jedoch weit entfernt. Helios erwarte aber in der kommenden Verhandlungsrunde am 6. Juli die gemeinsame Gestaltung eines Gesamtpaketes.

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