Feller gegen Protest der Landwirte

Anfrage schürt Streit um Flächen

Die Flächennutzung im Landkreis wird Thema im Kreistag. Der Grünen-Kreisrat Martin Feller hat konkrete Anfragen zum Ausgleich von Naturschutz- und Ackerflächen gestellt. Foto: dpa

Uelzen. Der Deutsche Bauernverband wendet sich in einer Kampagne mit dem Titel „Stoppt Landfraß“ gegen die Inanspruchnahme von Flächen. 90 Hektar Land gehe täglich in Deutschland verloren, und diese Flächen brauche die Landwirtschaft.

Martin Feller, Mitglied der Grünen-Fraktion im Kreistag, hat nun eine Anfrage mit vier konkreten Teilfragen an den Landkreis gestellt. Er will damit deutlich machen, dass der „Schwarze Peter“ beim Thema Flächenfraß nicht an den Naturschutz gehen kann.

Die Aktion des Bauernverbandes, so Feller, prangere den naturschutzrechtlichen Ausgleich an und Pläne der EU, im Rahmen der Begrünung der europäischen Agrarpolitik ökologische Vorrangflächen auf sieben Prozent der Ackerfläche einzurichten.

So leicht könne man sich das aber nicht machen. Feller meint, dass Natur- und Umweltschutz kein negativer Flächenverbrauch wäre, sondern notwendig, um die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft langfristig zu sichern. Das schreibt er in einem offenen Brief an den Bauernverband. Von den 90 Hektar Nutzfläche, die in Deutschland verloren gingen, würden 80 Prozent für Siedlungen benutzt, ein weiterer großer Teil für Verkehrsprojekte.

Dabei würde gerade im Landkreis Uelzen der Verkehr eine entscheidende Rolle spielen. 700 Hektar Fläche würden laut Feller durch den Bau der Autobahn im Landkreis verloren gehen.

Nun hat Feller mehrere Fragen an den Kreistag gesammelt, die seine Meinung stützen sollen. Zusammengefasst sind das: 1. Wie viel Ackerfläche konnte wegen des Naturschutzes seit 2007 nicht mehr genutzt werden? 2. Wie viel Ackerfläche konnte wegen anderer Nutzungen – nicht Naturschutzmaßnahmen – seit 2007 nicht mehr genutzt werden? 3. Für welche Eingriffe in Natur und Landschaft wurde ein Ausgleich – als Fläche oder Zahlung – geschaffen und wie viel Ackerfläche ging dadurch verloren?

Feller glaubt, die Antwort zu kennen: Für Verkehrsprojekte und Siedlungen würde mehr Fläche verbraucht werden als für den Naturschutz. Die Kritik des Bauernverbandes, dass es immer weniger Flächen gebe, müsse also deutlich in Richtung dieser beiden Nutzungen gehen.

Thorsten Riggert, Kreislandwirt, sieht das in Teilen anders. Zwar sei es durchaus so, dass auch andere Nutzungen zu einem Flächenverlust in der Landwirtschaft führen, nicht nur Naturschutz-Ausgleichsflächen. Allerdings kritisiert er die pauschae Ausweisung von Ausgleichsflächen: Für eine Fläche, die ein Landwirt etwa mit einer Scheune bebaut, müsse er bis zum vierfachen der Fläche der Natur überlassen. „Wenn es so weitergeht“, so Riggert, „haben wir bald nur noch Siedlungsflächen und Naturschutzflächen“. Der Schwerpunkt im Ausgleich für die Natur solle eher in der Qualität der Naturschutzflächen liegen: „Wir müssen im Naturschutz vor allem die Klasse statt der Masse fördern. Sonst verunkrauten die Flächen einfach und es wachsen nur noch Diesteln, Brennesseln und Birken“. Um effektiven Naturschutz zu leisten, müsse es dafür nicht nur die Flächen, sondern auch die Mittel geben, diese zu unterhalten. Als Beispiel für ungerechte Förderung der Natur sieht er etwa die Maßnahme, dass man beim Bau einer Windkraftanlage eine große Fläche als Ausgleich für das Landschaftsbild für den Naturschutz freigeben müsse – wobei man doch schon mit dem Bau der Windkraftanlage und der Nutzung der erneuerbaren Energie die Natur geschützt habe. „Äußerst logisch“, frotzelt er.

Von Kai Hasse

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