Metalldiebstähle: Dreizehn Verteidiger für neun Angeklagte in einem Prozess – warum eigentlich?

„Andere Lösung wäre noch teurer“

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Einen Prozess dieser Größenordnung hat das Landgericht Lüneburg selten gesehen: Die Verhandlung für die neun Angeklagten erfordert einen hohen Organisations- und Kostenaufwand.

Uelzen/Lüneburg. Morgen wird vor dem Landgericht in Lüneburg der Prozess gegen neun mutmaßliche Kupfer- und Metalldiebe fortgesetzt und damit einer der größten seiner Art, die die Salzstadt bislang gesehen hat.

Wie berichtet, waren die Angeklagten bei einem versuchten Diebstahl im Februar dieses Jahres in Uelzen festgenommen worden. Der erste Tag der Hauptverhandlung am vergangenen Donnerstag ließ sich schleppend an – nicht zuletzt, weil es gilt, den Prozessablauf mit drei Richtern, zwei Schöffen, zwei weiteren Ersatzschöffen sowie 16 Sicherheitskräften, einer Dolmetscherin und dreizehn Verteidigern zu organisieren.

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Doch warum eigentlich dreizehn Anwälte für neun Angeklagte? „Nach dem Gesetz muss jeder Angeklagte mindestens einen Verteidiger haben, der beigeordnet wird“, erklärt Dr. Volker König, Sprecher des Landgerichts auf AZ-Nachfrage. „Macht schonmal neun.“ Weil es sich in diesem konkreten Fall um einen Prozess von sehr langer Dauer handele – 22 weitere Verhandlungstage sind zurzeit bis einen Tag vor Weihnachten angesetzt –, soll mit weiteren Verteidigern sichergestellt werden, dass der Prozess zügig voranschreiten kann, auch wenn Anwälte aus Krankheits-, Planungs- oder anderen Gründen ausfallen. Das, so König, würde zu Verzögerungen führen, die am Ende noch kostspieliger würden. „Die Beiordnung von zusätzlichen Verteidigern ist bei einem Prozess dieser Größenordnung also vernünftiger und billiger. Und es ist auch ganz normal. Jede andere Lösung wäre noch teurer.“

Alle dreizehn Verteidiger der neun Angeklagten werden zunächst aus der Staatskasse bezahlt. Ungefähr 300 Euro pro Verhandlungstag erhält jeder von ihnen. Die genaue Höhe ist variabel und abhängig von bestimmten Zuschlägen und anderen Besonderheiten. Bei einer Verurteilung könne sich der Staat die Kosten von den Verurteilten per sogenanntem Rückgriff zurückholen, erklärt Dr. König. Allerdings werde daraus in den meisten Fällen nichts, weil die Rechtsbrecher gar kein Geld hätten. Ist ein Angeklagter aber solvent, könne er sich vor Gericht sogar von bis zu vier Anwälten vertreten lassen. Die Anwälte Nummer drei und vier müsse er dann allerdings von vornherein aus eigener Tasche bezahlen.

Insgesamt ist der Prozess gegen die acht Serben und einen Montenegriner, die überwiegend aus Hamburg kommen, eine echte organisatorische Herausforderung, fasst Dr. Volker König zusammen. Alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen, Verhandlungstage anzusetzen und den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht zu werden, sei schon „eine komplizierte Geschichte“.

Die Verhandlung gegen die neun Angeklagten, von denen acht in Untersuchungshaft sitzen, wird am morgigen Donnerstag um 9.15 Uhr im Lüneburger Landgericht fortgesetzt. Dann sei mit der Verlesung der insgesamt drei Anklageschriften zu rechnen, prognostiziert Dr. Volker König.

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