Erneuter Lokführerstreik lässt Ton beim Metronom rauer werden – Uelzener Pendler massiv betroffen

Lokführerstreik: „Als schwarzes Schaf diffamiert“

Die meisten Metronom-Züge blieben gestern in ihrem Uelzener Depot. Auch am heutigen Freitag werden nur wenige blau-gelbe Doppelstockwagen in Richtung Hamburg und Hannover fahren. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Der Weg zum Bahnhof ist ein Gang ins Ungewisse. Fährt mein Zug überhaupt – und wenn ja: Wann komme ich ans Ziel? Uelzener Pendler und Reisende wurden gestern vom neuerlichen Lokführerstreik hart getroffen.

Zwar konnte man sich auf der Homepage des Uelzener Eisenbahnunternehmens (www.der-metronom.de) grob darüber informieren, welche Züge voraussichtlich verkehren würden, doch Gewissheit gab auch das nicht. So hielten die wenigen Züge nach Hamburg zwischen Lüneburg und Harburg auf allen Bahnhöfen – Verspätungen waren deshalb unvermeidlich. Besonders bitter war die Situation für Pendler ab Suderburg und Bienenbüttel, denn die Nahverkehrsbahnhöfe von Uelzen nach Hamburg und Hannover werden ausschließlich von der Privatbahn Metronom angefahren.

„Wir haben massive Zugausfälle“, bestätigt Jens Dittrich, Leiter des Metronom-Kundenzentrums. Bestreikt werden die Bahnkonkurrenten noch bis Sonnabend um 2 Uhr morgens. Es sei alles „sehr gut gelaufen“, sagte Volker Krombholz, stellvertretender Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) Nord. Mindestens 70 Prozent der Züge seien ausgefallen, und mindestens 150 Lokführer hätten sich bislang beteiligt.

„Für uns ist diese Kampfhaltung nicht nachvollziehbar“, sagt Metronom-Geschäftsführer Wolfgang Birlin. Metronom werde durch die wiederholten massiven Streiks der GDL als ‚Schwarzes Schaf’ der Branche diffamiert. „Dabei ist die bundesweite Kernforderung der GDL nach gleichen Löhnen für gleiche Arbeit im Metronom-Haustarif längst umgesetzt“. Dies bestätige der Metronom-Betriebsrat in regionalen Presseberichten. Und selbst die GDL betone in Einzelveröffentlichungen, dass Metronom besonders gut zahlt. Dennoch rufe die GDL ihre Lokführer immer wieder zu Streiks in dem Uelzener Unternehmen auf.

Insgesamt war die Streikbeteiligung gestern laut Birlin erneut niedriger als bei den vorangegangenen Streiks. Alle Strecken hätten zumindest mit einzelnen Zügen bedient werden können. Dennoch fielen etwa 80 Prozent der Metronom-Züge aus.

„Fahrgastbetreuer stehen in den Zügen und, wo möglich, an den Bahnsteigen während der Streikzeit als Ansprechpartner zur Verfügung und versorgen Fahrgäste mit Informationen“, erklärt Metronom-Sprecherin Hannah Kohn.

Zudem wurde die Erreichbarkeit des Kundenzentrums ausgeweitet. „Wir geben alles, um die Streikfolgen für unsere Fahrgäste abzumildern und bitten um Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten“, so Birlin.

Die GDL sei bei Metronom alleiniger Tarifvertragspartner, verweigere aber bereits seit Monaten jegliches Gespräch zu dem für alle Mitarbeiter geltenden firmengebundenen Verbandstarifvertrag. Metronom habe mehrfach die Bereitschaft geäußert, ohne Vorbehalte oder Vorbedingungen in Verhandlungen zu gehen.

„Wir hoffen inständig, dass die GDL nun endlich durch Metronom verhandelbare Forderungen stellt, anstatt ein Fortkommen im Tarifstreit zu Lasten unserer Fahrgäste weiter zu verhindern“, erklärt der Geschäftsführer.

Hintergrund der Lokführerstreiks seit Februar ist ein Tarifstreit. Die GDL will mehr Geld, vor allem aber einen bundesweiten Branchentarif mit einheitliche Tarifstandards für alle 26 000 Lokführer auf dem Niveau der Deutschen Bahn durchsetzen.

Von Thomas Mitzlaff

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