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Als „Luca“ Uelzen eroberte

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Von: Norman Reuter

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Ob der KVHS-Kurs im Alten Rathaus in Uelzen oder der Besuch im Restaurant. Vor einem Jahr begannen Bewohner des Hansestadt damit, die Luca-App für die Kontaktnachverfolgung zu nutzen. Jetzt ist davon keine Rede mehr.
Ob der KVHS-Kurs im Alten Rathaus in Uelzen oder der Besuch im Restaurant. Vor einem Jahr begannen Bewohner des Hansestadt damit, die Luca-App für die Kontaktnachverfolgung zu nutzen. Jetzt ist davon keine Rede mehr. © Reuter, Norman

Der Besuch eines Konzertes, ein Abendessen im Restaurant oder aber der Zutritt zum Freibad: Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass im Landkreis Uelzen die Luca-App eingeführt wurde, um die Kontaktnachverfolgung sicherzustellen. Über die App spricht heute keiner mehr.

Uelzen/Landkreis – Vivian Jessen kann rückblickend sagen: „Luca wurde in Uelzen gut angenommen.“ Die Stadtmanagerin berichtet von mehreren Dutzend Plakaten, die beispielsweise für Gastronomen, Kosmetikstudios oder Banken in der Hansestadt gedruckt wurden. Etwa 1500 Schlüsselanhänger seien von Uelzenerinnen und Uelzener abgeholt worden.

Vor genau einem Jahr ist „Luca“ im Landkreis eingeführt worden. Mit dem Programm fürs Handy und PC war fortan eine Kontaktnachverfolgung möglich – vor zwölf Monaten ein wesentliches Instrument zur Eindämmung der Pandemie. Für den Zutritt ins Restaurant, in Rathäuser, ins Freibad oder ins Konzert scannten Nutzer mithilfe ihrer Smartphones einen QR-Code, oder zeigten ihren Schlüsselanhänger vor, um digital ihre Kontaktdaten zu hinterlassen.

Das Programm war seinerzeit in aller Munde, weil mit ihm lästige Angaben zur Person überflüssig wurden. Betriebe nutzten es, Uelzener nutzten es. Das Stadtmarketing unterstützte bei der Einführung im Landkreis. „Es war die Zeit, in der es zu vielen Neuerungen in der Pandemie kam. Die Kontaktnachverfolgung war in den Corona-Verordnungen zu finden“, so Vivian Jessen. „Wir haben geholfen“, so die Stadtmanagerin.

Das Charmante an Luca war nicht nur, dass Nutzer keine Zettel mehr ausfüllen mussten. Gesundheitsämtern war es bei einer Infektion möglich, die Daten abzurufen und so die Kontakte des Betroffenen in bestimmten Zeiträumen zu identifizieren und zu kontaktieren. So zumindest die Theorie.

Eine Nachfrage beim hiesigen Gesundheitsamt ergibt, dass es insgesamt zu fünf Abfragen über Luca-App gekommen ist, um Kontakte abzuklären.

Spätestens seit Ende März dieses Jahres sind in Stadt und Landkreis kaum noch Plakate zu Luca zu finden. Die Uelzener Stadtverwaltung berichtet: „Wie mehrere andere Bundesländer hat auch Niedersachsen die Lizenz nicht verlängert und verzichtet künftig auf die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung. Die Lizenz ist Ende März ausgelaufen.“

Kritik an der App war von Beginn an laut geworden. Datenschützer monierten, dass es zu einer zentralen Datenspeicherung kam. Ein Fall sorgte für Aufregung, bei dem die Polizei die Daten von Gästen widerrechtlich über das Gesundheitsamt abfragen ließ, um eine Straftat aufzuklären.

Vivian Jessen weiß zu berichten, dass die Kommunikation mit dem Entwickler des Programms, wenn es Rückfragen gab, nicht einfach war. Dort jemanden zu erreichen, oder Antworten zu bekommen, habe sich als schwierig erwiesen. „Das ging zu schnell. Manches war nicht zu Ende gedacht“, so Jessen.

Inzwischen ist die Funktion zum Einloggen und zur Kontaktnachverfolgung in die Corona-Warn-App des Bundes integriert worden. Auf sie setzt beispielsweise die Uelzener Stadtverwaltung. Im Foyer des Rathauses am Herzogenplatz kann ein QR-Code über die Warn-App eingescannt werden. Stadtsprecherin Ute Krüger erläutert: „Die Hansestadt Uelzen bietet den Besucherinnen und Besuchern weiterhin eine Kontaktnachverfolgung über die Corona-Warn-App an. Die Kontaktnachverfolgung und auch das Angebot sind inzwischen freiwillig.“

Der Betreiber der Luca-App, die Berliner Culture4Life GmbH, hat inzwischen bekannt gegeben, das Programm neu ausrichten zu wollen. Dafür wurden jetzt Investoren gefunden. Nach Medienberichten soll es mindestens in einem Fall Bezüge nach Russland geben.

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