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Alliierte bombardierten Uelzen 1944 und 1945 wegen Eisenbahn-Knotenpunkt

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Von: Lars Becker

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Die Alliierten nahmen bei insgesamt fünf Luftangriffen auf Uelzen 1944 und 1945 vor allem die Eisenbahn-Infrastruktur ins Visier – hier die Brücken über die Bahnhofstraße.
Die Alliierten nahmen bei insgesamt fünf Luftangriffen auf Uelzen 1944 und 1945 vor allem die Eisenbahn-Infrastruktur ins Visier – hier die Brücke über die Bahnhofstraße. © Sammlung Horst Hoffmann

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg muss am Sonnabend (29. Januar) womöglich in der Hansestadt entschärft werden, der im Gleisbereich des Bahnhofs schlummern könnte. Wann hat es eigentlich konkret Angriffe auf Uelzen gegeben? Die Antworten liefern das Stadt- und das AZ-Archiv.

Uelzen – Ihren Anfang nehmen die Luftangriffe am 18. April 1944. Die Alliierten nehmen den Bahnknotenpunkt Uelzen mit sechs Flugzeugen ins Visier. Vier Munitionswaggons im Güterbahnhof explodieren. Die schreckliche Bilanz: drei Tote, vier Schwerverletzte, 28 Leichtverletzte, 153 Häuser beschädigt oder komplett zerstört.

Am 10. November 1944 werden bei einem Tieffliegerangriff vier Loks getroffen, ein Bomber stürzt über dem Stadtwald ab.

Wieder ein Tieffliegerangriff am 27. November 1944: Der gilt einem Personenzug im Bahnhof, 14 Menschen kommen dabei ums Leben.

Brücke stürzt bei Großangriff ein

Am 22. Februar 1945 wird Uelzen im Rahmen der Operation „Clarion“, die sich gegen das Verkehrsnetz richtet, gegen Mittag Ziel eines Luftangriffs der United States Army Air Forces (USAAF) und der Royal Air Force (RAF). Viele Straßenzüge in der Innenstadt werden zerstört, Eisenbahn-Unterführungen stürzen ein. Zwischen 300 und 400 Spreng- wie Brandbomben sind binnen zehn Minuten aus 36 Maschinen abgeworfen worden. Drei Pulks zu je zwölf Bombern greifen die Stadt an.

Der Großangriff kostet 149 Menschen das Leben, 87 weitere werden verwundet. Der Güterbahnhof, aber auch zwölf Lokomotiven und mehrere Züge werden zerstört, ebenso ein Teil der Gleisanlagen des Personenbahnhofs, die Eisenbahnbrücke über der Bahnhofstraße und 95 Wohnhäuser.

KZ-Häftlinge reparieren die Gleise

Am 7. April 1945 ereignet sich der fünfte und letzte Luftangriff auf Uelzen. 20 Flugzeuge werfen etwa 50 Sprengbomben ab, die unter anderem erneut den Personenbahnhof treffen. Wieder gibt es etwa 20 Tote und viele Verletzte sowie stark Schäden an den Bahnhofsgebäuden sowie am Wasserwerk.

Zum Kriegsende werden 500 KZ-Häftlinge aus Neuengamme in die Stadt geholt und in einer Lagerhalle auf dem Gelände der Zuckerfabrik Uelzen untergebracht. Sie müssen täglich bis zu zwölf Stunden lang die Gleise reparieren und Bombenkrater stopfen. Im Häuserkampf wird Uelzen dann zwischen dem 13. und 18. April 1945 nahezu vollständig zerstört.

Tragischer Tod in der Lübecker Bucht

Am 17. April – einen Tag, bevor die Briten die zur „Festung“ ausgerufene Stadt Uelzen einnehmen – werden die Zwangsarbeiter in Güterwaggons gesperrt und an die Ostsee gebracht, wo sie das Passagierschiff „Cap Arcona“ besteigen.

Am 3. Mai 1945 sterben Hunderte evakuierte KZ-Häftlinge aus Uelzen beim versehentlichen Beschuss des Schiffes durch britische Bomber in der Lübecker Bucht, weil die Briten deutsche Truppen auf dem Schiff vermuten und es ebenso versenken wie den Frachter „Thielbek“ vor Neustadt.

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