Alles Asche

Keine Starts: Nichts ging mehr gestern an Deutschlands Flughäfen.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Hunderttausende Reisende sind gestrandet, Tausende Flüge fallen aus – und den Uelzener Reisebüros hat der Vulkanausbruch in Island einen Ansturm beschert. Zahlreiche Kunden, die an diesem Wochenende ihre Ferienreise antreten wollen, fragen um Rat. Doch die einzige Antwort heißt derzeit: Abwarten bis feststeht, wann der Flugverkehr sich wieder normalisiert. Zwar hat man formell keinen Anspruch auf Erstattung des Reisepreises, doch die meisten Reiseveranstalter zeigen sich kulant und buchen kostenlos um.

Derweil können alle Daheimgebliebenen die schönen Seiten des Naturschauspiels bewundern, sagt AZ-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski und verspricht besonders farbenprächtige Sonnenauf- und untergänge: „Die wetteraktive Schicht mit der Asche reicht bis in elf Kilometer Höhe, da brechen sich dann spektakulär die Sonnenstrahlen.“ Außerdem könne die Sonne zeitweilig etwas milchig erscheinen.

Niederschläge seien frühestens in der zweiten Hälfte der nächsten Woche zu erwarten, so Zakrzewski. Deshalb sei nicht zu erwarten, das erwähnenswerte Mengen an Asche auf die hiesige Region niederrieseln: „Das zieht vorbei.“ Und Nachschub sei angesichts der vorherrschenden nordwestlichen Höhenströmung durchaus möglich. „Da kann immer wieder eine Aschewolke aus Richtung Island zu uns ziehen“, so der Wetterexperte.

Derweil wurde am Freitag das Chaos an den europäischen Flughäfen wegen der Aschewolke aus Island immer größer. Gewaltige Warteschlangen, frustrierte Urlauber, Hallen voller Notbetten - 60 Prozent aller Flüge in Europa fielen am Freitag aus, teilte die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mit. Die Wolke werde nach Südosten weiterziehen und mindestens noch bis Samstagvormittag den Flugverkehr lähmen. Am Freitag gaben nach den westlichen Ländern nun auch Polen, Tschechien und Österreich Sperrungen bekannt. Sogar in Russland zwangen die winzigen Aschepartikel aus Island etliche Maschinen auf den Boden. Ausländische Fluggesellschaften strichen viele ihrer Flüge nach Europa.

Die winzigen Partikel der Vulkanasche sind für Flugzeuge so gefährlich, weil sie sich auf den Triebwerksschaufeln festsetzen kann - bis diese ausfallen. In Europa starten und landen täglich normalerweise etwa 28 000 Flugzeuge – für Freitag rechnete Eurocontrol mit 11000 Flugbewegungen. Von den normalerweise 300 Transatlantikflügen, die vormittags in Europa landen, kamen demnach nur etwa ein Drittel an.

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