Auf die Hände kommt es an

Alice Krull aus Lüchow-Dannenberg hat einen außergewöhnlichen Nebenjob

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Schöne Hände an extravaganten Schuhen: Alice Krull mit zwei Seiten der Zeitschrift „People“, bei der sie arbeitet und für die sie ihre Hände für eine Beauty-Produktion herzeigte.

Lüchow. Wer sich durchs virtuelle Maggi-Kochstudio klickt, sieht Hände. Hände, die zum Beispiel Dips und Pastasoßen anrühren, die Regenbogenspaghetti färben oder die mit Hilfe von Zahnseide saubere Mozzarellascheiben schneiden.

Die Hände, die in diesen Filmen zu sehen sind, gehören Alice Krull. Sie stammt aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, lebt mittlerweile in Hamburg, ist hauptberuflich Fotoredakteurin beim Promi-Magazin „People“, wo sie den Bereich Mode und Beauty betreut – und nebenberuflich Handmodel.

Schöne Hände und vor allem kunstvolle Fingernägel hatte die heute 24-Jährige schon als Schülerin am Lüchower Gymnasium. Von dort wechselte sie 2011 an die Akademie für Mode und Design, studierte Modejournalismus und Medienkommunikation. Zum Studium gehörte auch ein Praktikum bei der Zeitschrift Gala. Und dort fielen einer Kollegin in der Beauty-Abteilung die schönen Hände der neuen Praktikantin auf. Eine andere Kollegin hatte einen Mann mit einer Filmproduktionsfirma, die just zu dem Zeitpunkt ins Handmodelbusiness einsteigen wollte und auf der Suche nach Modellen war. Man lernte sich kennen – und Alice Krull und ihre Hände hatten ihren ersten Job für Maggi.

Seitdem hat sie schon viele Kochszenen nachgestellt, mit Lebensmitteln, Messern, heißen Pfannen und heißem Wasser hantiert. Als noch keine Kamera über dem Herd und dem Tisch in der Studio-Küche montiert war, saß sie auch mal, um unsichtbar zu sein, unterm Tisch und ihre Hände drehten das Fleisch in einer Pfanne – blind. Diese Drehs seien ein großer Spaß, sagt Alice Krull, sie freut sich, dass sie auch an der Gestaltung des Sets und der Umsetzung mitwirken kann. Außerdem lerne sie jedesmal ein paar Haushaltskünste mehr. Anstrengend sei nur, dass so ein Drehtag sehr lang sein kann und mehrere Szenen immer und immer wieder gedreht werden, um viel Material zum Schneiden des Clips zu bekommen.

Im vergangenen Herbst hat Alice Krull erstmals auch für die Zeitschrift, bei der sie arbeitet, handgemodelt – und zwar in einer Beauty-Geschichte über schöne Nägel und Nagellacke. Dabei stand ihr eine Nail-Artistin zur Seite, die sich um ihre Nägel – mehrmals Lack runter, Lack rauf – kümmerte, und die Hände nachschminkte. Sie selbst musste dabei viel stehen, um verschiedene Positionen mit ihren Händen einzunehmen. Zwölf Stunden kommen da bei einem Shooting-Tag schnell zusammen. „Aber wenn man eine Sache mit Leidenschaft und Spaß macht, dann sind die aufzuwendende Zeit und die Anstrengungen egal – vor allem wenn man das Ergebnis sieht“, sagt Alice Krull. Und auf das Ergebnis der Nagelproduktion ist sie schon stolz, denn mit den dabei entstandenen Fotos hat sie sich bei den zwei größten Handmodelagenturen in Deutschland beworben und wurde angenommen.

Handmodels sollten schmale, lange, gerade Finger haben. Ein schönes und langes Nagelbett, wie Alice Krull es hat, „ist besonders wichtig, da der Kunde dann viel mit den Nägeln arbeiten kann“. Sie hat sich schon immer etwas mehr um ihre Hände und Nägel gekümmert, täglich ölt sie Nagelhaut und Nagelbett ein, hat auch einen besonderen Pflegestift, um die Nagelhaut weich zu machen und zu entfernen. Außerdem: „Handcreme ist das A und O. Morgens, mittags, abends und nachdem ich mir die Hände gewaschen habe.“ Dazu kommt alle vier Wochen oder direkt vor einem Modeljob der Gang zur Maniküre.

Aufs Fußballspielen – Alice Krull kickt nach wie vor für den SC Lüchow rechts in der Abwehr, aber ab und zu auch als rechte Stürmerin – verzichtet sie nicht. Doch sie achtet im Alltag schon gezielter auf ihre Hände als andere. Abgewaschen wird grundsätzlich nur mit Handschuhen. Und wenn ein Modeljob ansteht, gelten für sie am Tag davor ein paar „Verbote“. Abwaschen fällt dann flach. Auch Alkohol gibt es nicht, weil der ihre Hände aufschwemmen lassen könnte. Außerdem meidet sie Brotschneiden und das Flaschenöffnen mit einem Flaschenöffner. Letzteres „finden meine Kollegen in der Redaktion immer besonders amüsant, aber sie unterstützen mich sehr und kommen mir zu Hilfe.“

Ob sie nicht nur mit ihren Händen, sondern auch „als Ganzes“ modeln würde, ist sie schon öfter gefragt worden. Und tatsächlich war sie in einem Livehack – einem Filmchen, in dem Tipps und Tricks gezeigt werden, die das Leben einfacher machen sollen – schon einmal als Ganzes zu sehen. Erfahren hat sie davon allerdings erst am Set. Doch ihre Prioritäten liegen weiter auf dem Modeln mit ihren Händen: „Es ist etwas anderes, etwas Außergewöhnliches.“ Ihr Job in der Redaktion soll weiter die Hauptrolle spielen.

Von Christiane Beyer

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