Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft feiert 50-Jähriges

Akzeptanz und Transparenz

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Mit zwei humoristischen Einlagen von Dietmar Wischmeyer als „kleiner Tierfreund“ und als „Günther der Treckerfahrer“ endete der 50-jährige Geburtstag.

Uelzen/Landkreis. Ein passendes Ambiente hatte sich der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft (VzF) zum 50-jährigen Jubiläum ausgesucht: In der Jabelmannhalle wurde gefeiert, denn schließlich „wurden hier früher noch landwirtschaftliche Geräte hergestellt“, erinnerte der Vorsitzende des VzF-Aufsichtsrates, Eckhard Koch.

Der über 1200 Mitglieder starke Verein hat einen jährlichen Umsatz von 1,8 Millionen Mastschweinen und 1,5 Millionen Ferkel.

Gegründet im Jahr der Kuba-Krise und der Sturmflut, so der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann in seinem Grußwort. In Uelzen hingegen herrsche Aufbruchstimmung – keine Krise. Und die Schweinehalter nähmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Inzwischen aber gebe es neue Probleme, mit denen die moderne Landwirtschaft zu kämpfen habe. Die so genannte Massentierhaltung sei auch im Landkreis Uelzen ein brisantes Thema. „Die Landwirtschaft droht die Akzeptanz in der Bevölkerung zu verlieren“, mahnte Lindemann. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Ernährungswirtschaft der zweitstärkste Bereich in Niedersachsen – nach der Automobilindustrie.

Von einer „gesamtgesellschaftlichen Debatte, die sich gewaschen hat“, sprach Arendt Meyer zu Wedel, Präsident der Landwirtschaftskammer. Es werde viel zu viel über die Landwirte als mit den Landwirten geredet. „Wir müssen den Dialog wiederfinden und brauchen die Akzeptanz in der direkten Nachbarschaft“, forderte er. Die Öffentlichkeitsarbeit ist auch für Dr. Jens Ingwersen, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion, eine Herausforderung für die Zukunft. Doch auch Tierschutzstrategien, Antibiotikamonotrisierung und Salmonellenüberwindung gehörten dazu.

Einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit des VzF wagte Moderator Peter Hellström mit Heinrich Dohrmann, Volker Kunzog und Hans-Hermann Behneke. Das ehemalige Vorstandstrio erinnerte noch an die Zeit der unterschiedlichen Regierungsbezirke. „Wir haben inzwischen weniger Betriebe und größere Stückzahl als damals“, sagte Beneke. Laut Bohrmann waren die Viehhändler in den Anfangsjahren ein großes Problem für den damals jungen Verein, denn „die brachten Bargeld mit auf den Hof“. Hygiene war damals noch ein Fremdwort für die Schweinebauern und die Schnüffelkrankheit, Läuse und die Räude an der Tagesordnung. „Wir haben 2800 Kunden“, leitete Eckhard Koch in die Gegenwart über. „Das Schnitzel ist gesichert“, unterstrich Dr. Conrad Welp, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Ihm liegt die regionale Identifikation mit den Kunden besonders am Herzen, weshalb der VzF auch zahlreiche Niederlassungen habe. Welp ging kurz auf das „Tierwohnprogramm“ ein: „Wir wollen Parameter finden, die zeigen, ob und wie es den Tieren gut geht.“ Der Vorsitzende der Geschäftsleitung warf nach einer kleinen musikalischen Unterbrechung auch einen Blick in die Zukunft des Vereins: „Die Politik kann keine Wirtschaft machen.“ Welp fordert Transparenz und Öffentlichkeit sowie verlässliche Rahmenbedingungen für die Landwirte. Ferkelerzeuger Ralf Wülpern hält es für wichtig, das Ansehen in der Bevölkerung zu erhalten und auch weiterhin qualitativ hochwertiges Fleisch zu erzeugen. Mit zwei humoristischen Einlagen von Dietmar Wischmeyer als „kleiner Tierfreund“ und als „Günther der Treckerfahrer“ endete der 50-jährige Geburtstag.

Von Jörn Nolting

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