Fusion der Vermittlung für die Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg

Adoption: Mehr Anfragen

Sehnsucht nach einer Familie: Mehr Erwachsene bewerben sich im Landkreis Uelzen um ein Adoptivkind als Kinder freigegeben werden. Vor Jahrzehnten noch hatten Eltern die Vorstellung, fremden Nachwuchs durch Adoption „zu retten“, erklärt das Jugendamt. Foto: dpa

Uelzen. Die Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg richten zum 1. April eine gemeinsame Adoptionsvermittlungsstelle ein. Die beiden Landräte Dr. Heiko Blume und Jürgen Schulz unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung im Lüchower Kreishaus.

Für die Mitarbeiter der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle beim Jugendamt im Uelzener Kreishaus bedeutet das, dass sie nun auch für Adoptionsbewerber und Fragen aus dem Nachbarkreis zuständig sind. Ohnehin stellen sie sich bei ihrer Arbeit auf Veränderungen ein.

„Es nimmt zu, dass Erwachsene kommen und etwas über die Lebensgeschichte ihrer leiblichen Eltern erfahren wollen“, sagt der Diplom-Sozialpädagoge Gerd Härig-Lindenthal. 18- bis 60-Jährige würden sich an ihn wenden, um Nachforschungen anzustellen. Jeder habe ein Recht darauf nachzuforschen, auch Geschwister melden sich in dem Büro, um etwas über die zur Adoption freigegebenen Familienmitglieder zu erfahren, berichtet Härig-Lindenthal. „Wir versuchen, den Kontakt herzustellen.“ Er kläre zunächst mit allen Beteiligten, ob sie einverstanden sind. Während eines Adoptionsverfahrens müssen sich die leiblichen Eltern und die Adoptivfamilie im Klaren sein, ob sie einander bekannt sein wollen oder inkognito. In beiden Fällen legen die Mitarbeiter den Adoptiveltern nahe, dass sie ihren Nachwuchs früh darüber aufklären, dass er adoptiert ist. Wenn Jugendliche es mit 16 Jahren von Freunden erfahren, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Vertrauen zerbreche. Wenn sie es aber beispielsweise am Wickel-Tisch einfließen lassen, dass es auch noch eine „Bauch-Mama“ gebe, würden die Jüngsten es viel einfacher annehmen. Setzen sich Adoptiveltern erst spät mit dem Kind an einen Tisch, um darüber zu reden – „dann geht das garantiert schief“, weiß Härig-Lindenthal.

Und eine weitere Veränderung prägt die Arbeit des Sozialpädagogen und seiner Kollegin Gudrun Deegen-Hoppe. „Wir suchen für das Kind Eltern“, erläutert Jugendamts-Leiterin Brigitte Lindenthal. Vor Jahrzehnten noch adoptierten Erwachsene ein fremdes Kind in der Vorstellung, es zu retten. Da es derzeit mehr Bewerber gibt, die Babys adoptieren wollen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, habe sich auch die Sicht auf das Thema verändert. „Man geht offener mit dem Thema um“, stimmt ihr Härig-Lindenthal zu. Acht Wochen muss eine Mutter nach der Geburt ihres Babys mindestens abwarten, bevor es zur Adoption freigegeben werden kann. In der Zwischenzeit komme der Säugling in Bereitschaftspflege. Viele Mütter überlegen sich schon während der Schwangerschaft, dass sie ihr Kind zur Adoption freigeben wollen. Aber es komme auch immer noch vor, dass Mütter mit Bauchschmerzen in die Klinik eingeliefert werden und die Schwangerschaft neun Monate verdrängt haben, berichtet Lindenthal. In dem Fall bleibt dem Jugendamt gegebenenfalls weniger Zeit zur Suche nach passenden Adoptiveltern. In einem Fall habe sich während der Sommerferien ergeben, dass Adoptiveltern gebraucht werden. Das Paar, das als Nächstes an der Reihe gewesen wäre, war verreist, somit kam ein anderes Paar zum Zuge, so Lindenthal.

Im Jahr 2010 zählte der Kreis Uelzen drei Fremd- beziehungsweise Stiefkindadoptionen (AZ berichtete). Es wurden zwölf Adoptivbewerber und 13 Adoptierte von den Mitarbeitern beraten. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hatte ebenfalls drei Adoptionen verzeichnet.

Von Diane Baatani

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