ADAC-Ortsclubs fürchten keinen Mitgliederverlust nach Skandal, fordern aber mehr Transparenz

„Wir machen Sport, keine Politik“

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Der ADAC steht derzeit in der Kritik. Von einem Imageverlust der Ortsclubs aber können die Vorsitzenden im Landkreis Uelzen nicht berichten.

Uelzen/Landkreis. „Bei uns wird alles geprüft, gegengezeichnet, abgesegnet“, stellt der Vorsitzende des ADAC-Ortsclubs Bad Bevensen, Stephan Gemballa, mit Blick auf den Manipulationsskandal um den Autopreis „Gelber Engel“ und weitere Ungereimtheiten im ADAC klar.

„Und ich frage mich: Wo ist das da oben gewesen, wo wird da oben mal genauer geprüft?“ Gemballa fordert stärkere Kontrollen in der Führungsspitze und mehr interne Transparenz beim Automobil-Club.

Dort ging man zuletzt von knapp 15 000 Kündigungen von Mitgliedern aufgrund der Manipulationsvorwürfe aus. Gemballa und die anderen Vorsitzenden der Ortsclubs des ADAC im Landkreis Uelzen verzeichnen derzeit aber keine Mitgliederverluste.

Und dass das auch so bleibt, da ist sich Karl-Heinz Niebuhr vom Motorrad-Club Ebstorf sicher: „Das wirkt sich auf keinen Fall auf die Mitgliederzahlen aus.“ Der Vorsitzende betont: „Wir machen Sport, keine Politik.“ Der ADAC sei lediglich ein Trägerverband, der dem Ebstorfer Club die Organisation größerer Veranstaltungen ermögliche. „Wir haben mit denen in München nicht so ganz viel zu tun.“

„Also, letztendlich tragen wir die vier Buchstaben auch und stehen dahinter“, meint der Vorsitzende des Motorclubs Rosche, Lutz Ripke. Sein Club beteilige sich schließlich auch an größeren Kampagnen, wie etwa der Organisation von Fahrradturnieren an Schulen. Dass sich der Imageverlust auf die Ortsclubs übertragen könne, glaubt er jedoch nicht.

Profiteur der ADAC-Affäre könnte der Auto Club Europa (ACE) sein. „Wir haben auf alle Fälle mehr Anfragen“, erklärt der ACE-Regionalbeauftragte für Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Matthias Cordts. Und: „Uelzen wird mit Sicherheit auch dabei sein.“ Ob die Anfragen aber tatsächlich in Mitgliedschaften mündeten, könne man zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der geltenden Kündigungsfristen noch nicht sagen.

In der Uelzener Kreisgruppe vom ACE liegen ebenfalls noch keine konkreten Zahlen vor. Dennoch: „Ich könnte mir vorstellen, dass es einen kleinen Zuwachs geben könnte“, sagt Kreisvorstand Horst Wrede. Nach seiner Angabe zählt die Kreisgruppe derzeit circa 650 Mitglieder.

Gemballa kritisiert, dass die ADAC-Spitze die Ortsclubs nicht rechtzeitig informiert habe. „Wann, wieso und weshalb da im Hintergrund so rumgemauschelt wurde, das haben wir hier nie mitbekommen.“ Als Ortsclub habe man so „nicht die Möglichkeit, zu agieren, sondern nur zu reagieren“, kritisiert er. Und sein Kollege vom Uelzener Motor-Club, Hubert Tews, findet ebenfalls klare Worte: „Man sollte sich im großen Stil auf die Pannendienste konzentrieren.“

Von Anna Petersen

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