„Absolute Mangelsituation“

Fehlende Hilfe in schweren Zeiten: Im Kreis Uelzen gibt es derzeit keine ambulante kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung. Deshalb fordert der Jugendhilfeausschuss die Kreisverwaltung auf, in ihren Anstrengungen für eine Verbesserung der Situation nicht nachzulassen. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Die Situation ist beklagenswert, darin war sich der Jugendhilfeausschuss einig, doch Besserung ist nicht in Sicht: Es gibt derzeit keine ambulante psychiatrische Versorgung für Kinder und Jugendliche im Kreis Uelzen. Außerdem stellt die Kreisverwaltung fest, dass sie alle ihr möglichen Schritte zur Verbesserung der Versorgung unternommen habe und „weitere Bemühungen keine Erfolgsaussichten bieten“. Dieses ernüchternde Fazit zog jetzt Kreisjugendamts-Leiterin Brigitte Lindenthal auf der Ausschuss-Sitzung.

Damit antwortete sie auf einen Antrag der SPD-Fraktion. Diese hatte die Verwaltung beauftragt, kurzfristig Schritte einzuleiten, um die ambulante psychiatrische Hilfe für junge Menschen im Kreis Uelzen zu gewährleisten. Damit habe sich der Jugendhilfeausschuss bereits 2009 ausführlich beschäftigt, erklärte Lindenthal. Zudem habe der Kreisausschuss damals eine entsprechende Resolution an die Kassenärztliche Vereinigung, die Krankenkassen und das niedersächsische Sozialministerium gerichtet.

Die Reaktionen der drei zuständigen Stellen waren jedoch wachsweich: Kinder- und Jugendpsychiater könnten sich grundsätzlich in Uelzen niederlassen, allerdings gebe es derzeit keine interessierten Fachärzte, teilte die Kassenärztliche Vereinigung mit. Das Sozialministerium erklärte, es würde eine Ansiedlung von Fachärzten und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche im Landkreis begrüßen, die Niederlassung eines Kinder- und Jugendpsychiaters habe aber nicht erreicht werden können. Stattdessen wies das Ministerium auf die Möglichkeit hin, das Angebot der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lüneburg in Anspruch nehmen zu können.

Über diese Aussage zeigte sich Ausschuss-Vorsitzender Jürgen Hinrichs (SPD) verwundert. „Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lüneburg ist nicht bedarfsgerecht ausgestattet“, meinte er mit Blick auf die mitunter langen Wartezeiten für Betroffene. Hinrichs beklagte „eine absolute Mangelsituation“ im Kreis Uelzen, die auf Dauer nicht hinnehmbar sei. „Das ist unglaublich. So kann es nicht weitergehen“, sagte er angesichts der steigenden Zahl verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher.

Deshalb appellierte der Ausschuss eindringlich an die Verwaltung, in ihren Anstrengungen für eine Verbesserung der ambulanten psychiatrischen Versorgung für junge Menschen nicht nachzulassen. Von einer Zusammenarbeit in diesem Bereich mit dem Kreis Lüchow-Dannenberg, wie von der SPD beantragt, erwartet Amtsleiterin Lindenthal allerdings „kein positives Ergebnis“, denn die Versorgungssituation bei den nordöstlichen Nachbarn sei nicht besser als im Kreis Uelzen. Im Übrigen ist Lindenthal „der Auffassung, dass die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung nicht die ureigene Aufgabe der Verwaltung ist“.

Von Bernd Schossadowski

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