Vertrag für Musikclub und „Life“ endet / Viele Polizei-Einsätze in zehn Jahren / Wo wandert Techno-Szene hin?

Abschiedsmelodie fürs „Plan B“

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Tristesse bei Regenwetter am „Plan B“ und am benachbarten „Life“. Viel los ist an den Wochenenden – samt Polizei-Einsätzen.

Uelzen. Ralf Munstermann spricht von einer „speziellen Szene“, für die der Musikclub „Plan B“ an der Dieterichsstraße in Uelzen ein Treffpunkt ist – bei Techno-Musik werde bis in den Morgen gefeiert, sagt der Leiter des Uelzener Streifendienstes; und allzu oft müssen Polizeibeamte dort Straftaten aufnehmen. Auszüge aus Polizeiberichten der vergangenen Jahre:

Nach einer durchzechten Nacht sticht ein 29-Jähriger mit einem Messer einem 26-Jährigen ins Ohr. Ein 31-Jähriger schlägt mit einem abgebrochenen Flaschenhals auf einen Gast ein. Und zuletzt: Ein 27-Jähriger aus Algerien greift Frauen an die Brust oder in den Genitalbereich und öffnet seine Hose. Nun schließen zum 30. Juni das „Plan B“ und die benachbarte Kneipe „Life“.

Andreas Schulze betreibt seit zehn Jahren den Musikclub und die Kneipe an der Dieterichsstraße. Der 46-Jährige will sich künftig ganz seinen Aufgaben als Bereitschaftsleiter für den Katastrophenschutz beim DRK widmen, erklärt er gegenüber der AZ. Zeitlich sei beides nicht mehr unter einem Hut zu bekommen – die Sieben-Tage-Woche sei inzwischen zur Regel geworden. „Für irgendetwas musst du dich entscheiden“, sagt Schulze. Auch mit Blick auf sein Alter sei die Wahl auf die DRK-Arbeit gefallen. „Es waren zehn Jahre mit Höhen und Tiefen“, bilanziert der Kneipier.

Im Sommer läuft der Mietvertrag aus. Schulze verlängert ihn nicht. Vermieter ist die Wittinger Privatbrauerei. Deren Leiter für Marketing, René Hagemann, will sich noch nicht dazu äußern, was aus den Flächen wird. Es steht im Raum, dass keine neue Kneipe mehr in das Gebäude ziehen soll. Auch das kommentiert Hagemann nicht. Dass Auflagen der Stadt einer Wiedereröffnung von Kneipen im Wege stehen, wie kolportiert wird, ist jedenfalls nicht zutreffend.

Für die Polizei stellt sich die Frage, wohin die „spezielle Szene“ wandert, wenn es eine Umnutzung gibt oder ein Kneipier ein anderes Konzept verfolgt. Wie Munstermann sagt, seien die Lokale an der Gudesstraße bereits weitgehend ausgelastet. „Heute wird von Wirten der Umsatz Freitag- und Sonnabendnacht gemacht. Die Besucher kommen spät, bleiben lang.“ Nicht zuletzt, weil es keine Sperrstunde mehr gebe. Über die Wiedereinführung müsse gesprochen werden, sagt Munstermann. Zur Dieterichsstraße mussten häufig Beamte in den frühen Morgenstunden fahren, wenn der Kneipenbesuch nach Alkoholkonsum ausge-ufert war.

Es habe eine Zeit gegeben, in der es besonders oft zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sei. Aufgefallen seien Russland-Deutsche. „Dies haben wir alles in den Griff bekommen“ – durch regelmäßige Präsenz der Polizei. Die nahe gelegene Sparkasse habe Sicherheitspersonal laufen lassen. Im vergangenen halben Jahr sei es an der Dieterichsstraße wieder verstärkt zu Einsätzen gekommen, auch wegen der Beteiligung von Flüchtlingen.

Von Norman Reuter

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