Mit dem Akropolis schließt eines von zwei griechischen Restaurants in Uelzen

Zum Abschied ein leises „Jammas“

Gestern in der Küche des Akropolis: Niko legt die letzten Gyros-Scheiben auf den Spieß. Fotos: Mitzlaff

Uelzen. „Ein komisches Gefühl ist das schon. “ Niko weiß nicht, wie oft er schon Fleischscheiben auf den Gyrosspieß gelegt hat. „Einige Tonnen werden das gewesen sein“, vermutet der 37-Jährige.

Eines aber ist sicher: Gestern stand er zum letzten Mal in der Küche des Restaurants „Akropolis“ am Uelzener Ostring. Am Abend verabschiedeten sich Niko und seine Lebensgefährtin Ioanna von treuen Stammgästen, seit heute ist der Betrieb eingestellt. Uelzens größter „Grieche“ ist dicht. Bis Monatsende sind noch diverse Restarbeiten im Lokal zu erledigen, dann schließt die Familie die Eingangstür des Lokals endgültig zu und übergibt den Schlüssel an den Hausbesitzer – in Uelzen gibt es dann zumindest vorübergehend nur noch ein griechisches Restaurant.

Vor 13 Jahren ist Niko nach Uelzen gekommen, hat hier zunächst einen Imbiss betrieben und dann das Akropolis übernommen. Seit zwei Jahren unterstützen ihn Lebensgefährtin Ioanna und die Tochter sechs Tage in der Woche im Lokal. Doch Freizeit war auch am Ruhetag nur selten. Büroarbeit, Einkauf, Ämterbesuche... „Man hat praktisch immer etwas zu tun“, sagt Niko. Nach 13 Jahren in Uelzen ist nun Schluss – aus familiären und aus gesundheitlichen Gründen.

„Tränen sind schon geflossen, auch bei den Gästen“, sagt der Gastronom und Koch. Uelzen war für ihn kein einfaches Pflaster: „Man hat seine Stammgäste, aber wir leben natürlich auch von der Laufkundschaft – und da haben zwei Winter mit viel Eis und Schnee ihre Spuren hinterlassen“. Wenn die Straßen glatt sind, bleiben die älteren Gäste lieber Zuhause und auf der Bundesstraße 71, an der das Restaurant liegt, ist entsprechend weniger Verkehr.

Gestern, am letzten Öffnungstag, ist aber noch viel Ablenkung angesagt. Eine 35-köpfige Hochzeitsgesellschaft feiert am Abend, die griechische Familie hat alle Hände voll zu tun. Für das Büfett ist genau eingekauft, für die übrigen Gäste am letzten Abend gibt es nur noch wenige Gerichte. Und irgendwann in der Nacht ist dann Zapfenstreich.

„Ich werde aufstehen wie immer und zum Lokal fahren“, sagt Ioanna über ihre nächsten Tage – so wie sie es ganz automatisch getan hat in den letzten Jahren. Zuvor wohnte sie in Wuppertal, Uelzen gefällt ihr: „Ich komme aus einem kleinen griechischen Dorf und hier ist auch alles ländlich“, sagt sie. Dass nun Schluss ist, habe sie noch nicht so richtig realisiert. Die Tür geht auf, weitere Stammgäste kommen hinein. „Die haben sich doch schon letzte Woche verabschiedet“, wundert sich Niko. Und greift zum Ouzo – obwohl man den eigentlich nur aus freudigen Anlässen trinkt. „Jammas – auf das Akropolis!“

Von Thomas Mitzlaff

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