Nitratbelastung im Grundwasser befürchtet: Beratungen zu Schutzkonzept starten Donnerstag

Absage an den Gülletourismus

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Pflanzen brauchen zum Wachsen Stickstoff. So dient Gülle als Dünger. Doch das Nitrat, dass ins Grundwasser gelangen kann, stellt ein zunehmendes Problem dar. Grünen fordern nun ein Schutzkonzept für den Landkreis Uelzen.

Uelzen/Landkreis. Grund zur Sorge besteht im Moment nicht. Aber: Nitrat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein, könnte auf absehbare Zeit – wie bereits im Nordwesten Niedersachsens geschehen – das Grundwasser im Landkreis Uelzen belasten.

In den Regionen Vechta und Cloppenburg wurde bei Messungen der erlaubte Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Grundwasser vielerorts bereits überschritten. 

Zur Situation in Uelzen informierte der Landkreis nun auf Anfrage der Grünen-Kreistagsfraktion: Bei oberflächennahen Messungen „ist der Nitratgehalt zu Teilen deutlich höher als 50 Milligramm pro Liter. Natürliche Nitratabbauprozesse im Untergrund verhindern hier bisher den Nitrateintrag in die unteren Grundwasserstockwerke.“ Dieses natürliche Abbauvermögen sei aber endlich. „Es kann nicht vorausgesagt werden, wie lange dieser natürliche Prozess einen Nitrateintrag in den unteren Grundwasserleiter verhindern kann“, so der Landkreis. 

Die Grünen fordern deshalb jetzt ein Schutzkonzept, bevor es zu spät ist. Die Landwirtschaft ist verantwortlich dafür, dass Grundwasser mit Nitrat „verschmutzt“ wird: Pflanzen brauchen zum Wachsen Stickstoff. Er wird in Form von Nitraten – stickstoffhaltigen Salzen – mit Gülle oder Kunstdünger auf Felder ausgebracht. Überschüssige Mengen werden nicht von Pflanzen aufgenommen, können so im Laufe der Zeit bis ins Grundwasser gelangen. Landwirte sind daher aufgefordert, bereits vorhandene Mengen im Boden zu berücksichtigen und den Pflanzen nur soviel zu zusetzen, wie sie noch aufnehmen können. 

Die niedersächsische Landwirtschaftkammer wacht darüber. Dr. Jürgen Grocholl ist Leiter der Uelzener Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer – er sagt: In der Praxis stehe der Bauer vor der Situation, womöglich zu wenig zu düngen und Ernteausfälle zu riskieren. Oder aber etwas mehr zu düngen und damit in jedem Fall gewünschte Erntemengen zu bekommen. Grocholl weiß: Jährlich wird – auch weil Dünger witterungsbedingt und durch leichte Böden schnell versickert – weniger in Pflanzen gebundener Stickstoff abgefahren, als ausgebracht wurde. Die Grünen wollen kommende Woche mit den Uelzener Kreispolitikern in die Diskussion einsteigen, wie künftig eine solche Umwucht und damit eine befürchtete Belastung Grundwassers verhindert werden kann.

Jetzt handeln

Martin Feller

Lieber jetzt handeln, als das ökologische Desaster für den Landkreis Uelzen riskieren. Dieser Auffassung ist Martin Feller. Mit seinen Kollegen der Kreistagsfraktion der Grünen spricht er sich für ein Schutzkonzept aus, mit dem eine Belastung des Grundwassers durch Nitrat verhindert werden soll. Der Landkreis hat auf Anfrage der Grünen ein solchen Fall nicht ausgeschlossen. Kommenden Donnerstag soll im Umweltausschuss mit anderen Fraktionen erstmals über ein Schutzkonzept beraten werden.

In Deutschland gilt zum Schutz der Menschen – Nitrat steht im Verdacht, krebserregend zu sein – ein gesetzlicher Grenzwert von 50 Milligramm je Liter Wasser. Bei Messungen zeigt sich aber, dieser Wert wird immer wieder überschritten. Die EU drängt auf schärfere Regelungen, und hat deshalb sogar Klage gegen die Bundesrepublik erhoben.

Erst gestern meldete der Verein VSR-Gewässerschutz, der unter anderem Wasser aus privaten Trinkwasserbrunnen beprobt, Grenzüberschreitungen in der Region Walsrode. Bei Vechta und Cloppenburg, dort ist der Anteil an Tierhaltung in der Landwirtschaft groß, wurden in der Vergangenheit vielerorts stärkere Belastungen gemessen. Die Gülle der Tiere ist ein guter Dünger, denn Pflanzen benötigen den Stickstoff. Die Kehrseite ist der Nitratgehalt.

Längst hat sich wegen des Übermaßes an Gülle auch ein Handel entwickelt. Für Feller ist das ein Ansatzpunkt, wenn es um den eigenen Schutz vor einer Nitrat-Belastung im Landkreis Uelzen geht. Es dürfe keinen „Gülletourismus“ in den Landkreis Uelzen geben, formuliert er gegenüber der AZ. Außerdem: Der Landkreis Uelzen möge alle gesetzlichen Möglichkeiten zu Verhinderung von Massentierhaltungen ausschöpfen, heißt es in einem schriftlichen Antrag der Grünen zum Schutzkonzept. Bislang gilt der Landkreis als weißer Fleck, wenn es um Massentierhaltung in der Landwirtschaft geht.

Für Feller ist auch weiterer Punkt wichtig: die Datenlage. Sind alle Daten und Fakten zur Düngung bekannt? Gibt es einen Austausch mit den Behörden, die für die Wasserqualität zuständig sind? Von der rot-grünen Regierung wurde ein sogenanntes Güllekataster eingeführt, in dem festgehalten wird, wie viel Gülle anfällt und wohin es gebenenfalls transportiert wird. Nur: Reicht das?

Über die Düngung von Feldern wacht die Landwirtschaftskammer, die über einen Prüfdienst verfüge, der Stichproben nehme, informiert Dr. Jürgen Grocholl. Er ist Leiter der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer. Auch bei Verdachtsfällen werde geprüft und es gebe Nachkontrollen. Für die Überprüfung der Wasserqualität in der Region ist die Untere Wasserbehörde und das Gesundheitsamt des Kreises zuständig.

Von Norman Reuter

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