Mehr als 400 Positionen Inventar versteigert / Betreutes Wohnen in Neubau

Abriss der Veerßer Klinik rückt näher

Von der Gehhilfe bis zum Beatmungsgerät findet auch der Großteil des medizinischen Inventars aus der Veerßer Klinik irgendwo eine neue Verwendung.
+
Von der Gehhilfe bis zum Beatmungsgerät findet auch der Großteil des medizinischen Inventars aus der Veerßer Klinik irgendwo eine neue Verwendung.

Uelzen-Veerßen – Was in der Hansestadt seit Anfang 2018 nicht mehr genutzt worden ist, findet jetzt anderswo eine neue Bestimmung: Im Rahmen einer Online-Insolvenzversteigerung ist die Betriebs- und Geschäftsausstattung der seit mehr als zweieinhalb Jahren verwaisten Veerßer Klinik veräußert worden.

Vier Labor-, OP- und Küchenzeilen aus der Veerßer Klinik werden nach Malawi transportiert – und zwar ins Missionshospital von Samaritan’s Purse in Nhkoma. Diese ehrenamtlichen Helfer leisteten gestern den Abbau.

Gestern war der erste Tag, an dem die Käufer ihre „Beute“ abholen konnten. Mindestens heute, vielleicht auch noch morgen, geht‘s weiter.

In einem 20-seitigen Katalog hat der vom Insolvenzverwalter beauftragte Verwerter sage und schreibe 407 Positionen aufgelistet – fein säuberlich sortiert nach Etage und Raum. Betten, Schränke, Gehhilfen, EKG-, Röntgen-, Narkose- und Beatmungsgeräte, komplettes Operationsbesteck, Fernseher: Das Angebot reichte vom kompletten Inventar der 18 Patientenzimmer bis hin zu dem aus Operations- und Kreißsaal.

Und offenbar ging im Netz so ziemlich alles bei der Auktion Nummer 7901 weg, wie der Rundgang durchs Haus beweist: Alles das, was einen roten Aufkleber trägt, wurde gekauft. Ab 9.30 Uhr konnten gestern die Errungenschaften abgebaut und abgeholt werden, entsprechend schnell war der Bereich vor dem Gebäude mit Fahrzeugen gespickt, in denen die Sachen „verschwanden“.

Der Gesamterlös der Versteigerung blieb gestern naturgemäß ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis, aber in jedem Fall sei es sehr gut gelaufen, hieß es. Allerdings kam nicht alles unter den sprichtwörtlichen Hammer: Vier Labor-, OP- und Küchenzeilen aus der Veerßer Klinik werden im Rahmen eines Hilfstransportes einer Kirchengemeinde aus Köln ins ostafrikanische Malawi transportiert. Im drittärmsten Land der Welt wird im Missionshospital der Stadt Nhkoma eine chirurgische Abteilung und eine nationale Blutbank aufgebaut.

Die Kölner waren an Pastor Thomas Schulze von der Friedenskirche Uelzen herangetreten, um freiwillige Helfer für das Verladen der Möbel zu gewinnen. Die waren dann auch tatsächlich schnell gefunden. Sie packten gestern in Veerßen ebenso mit an wie Rainer Döllefeld, Pastor im Ruhestand.

Mit dem Online-Verkauf der Einrichtungsgegenstände ist auf dem Weg zur Übergabe des Objektes an einen neuen Eigentümer und zu einer neuen Bestimmung von Haus und Grundstück ein wichtiger Schritt vollbracht. Norbert Schmedtmann, Zahnmediziner aus Ebstorf hatte das Objekt bekanntlich gekauft. Seine Pläne von der Wiederbelebung als Klinik waren jedoch gescheitert, sodass er das Areal samt Bau weiterverkaufen wollte. Nach AZ-Informationen soll das inzwischen auch schon passiert sein. Auf dem Areal an der Celler Straße sollen nach dem Abriss Plätze für betreutes Wohnen entstehen. VON LARS BECKER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare