Wort zum Sonntag

Das Abnehmen

„Ich aber muss abnehmen!“ Das ist mehr als ein guter Vorsatz den Winterspeck endlich loszuwerden, um im Sommer am Strand, oder wo auch immer, eine gute Figur zu machen, sondern es ist die Erkenntnis Johannes des Täufers, dessen Gedenktag wir am kommenden Sonntag feiern, – in der Freude auf die Gegenwart und Begegnung mit Jesus Christus.

Wieso? Vielleicht wird es an einem Beispiel deutlich: Der ägyptische Gelehrte Ptolomäus lehrte im 2. vorchristlichen Jahrhundert: „Die Erde ist das Zentrum des Universums. Unsere Erde steht still, während sich alle anderen Planeten und Sterne um die Erde drehen.“ Das klang aus der eigenen Sicht heraus einleuchtend, und wurde über 1600 Jahre lang so geglaubt und gelehrt. Bis dann im 16. Jahrhundert Kopernikus mit provozierenden Fragen dieses Weltbild ins Wanken brachte: „Warum scheinen manche Sterne am Tag und andere in der Nacht?“ „Was verursacht die unterschiedlichen Jahreszeiten?“ „Wie weit können Schiffe auf dem Meer fahren, bis sie von der Erdscheibe herunterfallen?“ Kopernikus hatte nicht nur entdeckt, dass die Erdkugel rotiert, sondern auch, dass sie sich um die Sonne drehen muss. Ein Skandal! „Wie, die Welt dreht sich etwa nicht um uns?“ Das wollten die Leute nicht akzeptieren.

Doch Kopernikus zeigte zur Sonne und sagte: „Das ist das Zentrum des Universums!“ So macht es Johannes der Täufer mit Jesus Christus: „Er ist das Zentrum von allem!“ – nicht wir. Wie heilsam in vielen Dingen. Da kommt einer und hilft uns von außen. Er lässt uns noch einmal klarer sehen, lässt sich nicht vereinnahmen von irgendwelchen Parteiungen, sondern kommt zum Heil und Guten für alle Menschen – nämlich der allmächtige und uns nahe und so barmherzige Gott in Jesus Christus, und schenkt das, was wir uns selbst nicht geben oder erarbeiten können: Jeder Mensch gewollt und begabt und einzigartig geschaffen von IHM – ich brauche mich nicht dauernd zu beweisen und rechtfertigen. Vergebung wird geschenkt, als diese Überwindung der Gräben zwischen uns und Gott – neue und gemeinsame Wege immer wieder möglich, Perspektive und gemeinsames Gestalten kann wieder gelingen. Nicht Parteipolitik und wechselnde Stil- und Geschmacksrichtungen prägen das Leben, sondern SEINE Werte von Barmherzigkeit und Liebe, Feindesliebe und Bewahrung der Schöpfung und rechten Umgang mit den Ressourcen zum Wohl aller… und deswegen „ER muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, weil SEIN Leben in Ewigkeit nicht aufhört. Da lohnt sich das Abnehmen.

Robert Mogwitz ist Pastor der evangelisch-lutherischen Christusgemeinden Uelzen und Molzen (SELK).

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