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Der Zug ist abgefahren

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 Die Bahn kommt. Zu spät. Ebenso das niedersächsische Verkehrsministerium bei der Diskussion um eine bessere Hafen-Hinterlandanbindung mit Gleisen. Varianten zur Y-Trasse wurden erarbeitet, die ergebnisoffen besprochen werden sollen, in einem Dialog mit den Bürgern.

Vor allem mit jenen, die durch neue Gleise betroffen wären – wie im Landkreis Uelzen. Die Gespräche haben auch begonnen, nur wird nicht miteinander, sondern übereinander geredet. Das ist der Tatsache geschuldet, dass Bahn und Land besagten Bürgerdialog wie eine Monstranz vor sich hertragen, ohne bisher sagen zu können, wie überhaupt der Bürger an den Gesprächen beteiligt werden soll. Das seien Details, die noch zu klären seien, heißt es aus Hannover. Und in den möglicherweise von Neubaustrecken betroffenen Kommunen suchen Bürger, aufgeschreckt von den Variantenplanungen, ihre Positionen. Dass die Politik zuerst informiert wurde und der Vortrag der Bahn sich nur durch ein Mindestmaß an Transparenz auszeichnete, macht es nicht besser. So bilden sich Ressentiments und Proteste, noch bevor ein Gespräch miteinander stattfindet.

Zwei mögliche „Varianten“ drängen sich einem auf: Ist es der Behäbigkeit von Bahn und Land zu verdanken, dass sie noch über Abläufe, Kosten und Teilnehmer diskutieren, während die Diskussion schon rollt? Oder bedienen sie sich großer Worte wie Transparenz und Fairness, um einen Dialog anzukündigen, aber wollen lieber im Stillen ihre Pläne weiter vorantreiben, wie zumindest von der Bevölkerung der Bahn vorgeworfen wird? Gleich welcher Fall zutrifft, die Konsequenz daraus ist: Was vielleicht Vertrauen schaffen sollte, wird mit Argwohn betrachtet. Der Zug ist schon abgefahren.

Als ob das nicht alles schwer genug wiegt, ist das Thema Spielball der Politik – sie hat letztlich auf Bundesebene darüber zu befinden, welche Variante den Vorzug erhält. Im politischen Geschäft droht die Hafen-Hinterlandanbindung jedoch zum Wahlkampfgeplänkel zu verkommen, was sich schon dadurch andeutet, dass der Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) sich mit Kirsten Lühmann (SPD) beharkt. Sie dürfe sich beim Thema nicht durchlavieren, sagt er. Wer so redet, hat den politischen Gegner, aber nicht das Thema im Blick. Den Grünen dürfte man ein Durchlavieren unterstellen, trauen sich kaum aus der Deckung. Sie scheinen noch den Widerspruch aufzulösen zu haben, wie sie weiter mehr Güterverkehr auf Schienen fordern können, ohne andererseits ihre Wähler im Landkreis zu vergrätzen. Ein Dialog wäre vielleicht angebracht.

 Von Norman Reuter

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