Abzocke! – Wie angebliche Notdienstanbieter ahnungslose Bürger ausnutzen

Abfluss verstopft: Neu Ripdorferin bezahlt in der Not Wucher-Rechnung

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Isabel Meine ist zwar froh, dass ihre Toilette nicht mehr verstopft ist. Der Preis dafür war aber hoch.

Uelzen – Die Toilette einer jungen Frau ist verstopft, es ist Wochenende, sie ruft eine Hotline an, die sie online gefunden hat. Am Ende ist Isabel Meine aus Ripdorf mehr als 1.300 Euro ärmer und Opfer von obskuren Handwerkern.

„Die hatten keine Embleme auf ihrer Kleidung und auch auf dem Auto keine Aufschrift“, erzählt Meine. Und, da es Wochenende sei, könnten sie nur Bargeld annehmen, so die Handwerker zu der 24-Jährigen. „Was sollte ich denn machen? Da standen die zwei Männer und ich sollte bezahlen. “.

Patrick Ahrens reinigt tagtäglich verstopfte Abflussrohre – die Preise für die Arbeiten können jederzeit online eingesehen werden. 

Patrick Ahrens kennt die Masche: „Bei uns rufen Leute an und beschweren sich, dabei haben wir da gar nichts gemacht“, erklärt der Mitarbeiter der Firma Mr. Pümpel aus Uelzen. Und weiter: „Die sagen unseren Firmennamen am Telefon, die Leute denken dann, dass es eine lokale Firma ist und dann zocken die sie ab.“ Der gestandene Handwerker ist wirklich sauer. Sein Chef habe wegen der Transparenz extra die Preise im Internet aufgelistet. Ein solcher Einsatz am Wochenende würde bei ihnen um die 150 Euro kosten.

Fast neun mal so teuer ist die Rechnung von Isabel Meine und darüber hinaus steht lediglich der Name des Inhabers und eine Adresse darauf, aber keine Steueridentifikationsnummer.

Die Firma ist in Düsseldorf gemeldet, also gibt die dortige Handwerkskammer Auskunft: Auf Anfrage de AZ erklärt man, dass die Firma erst seit dem 22. Februar 2019 gemeldet ist. Die Handwerkskammer könne nun lediglich das Unternehmen anschreiben und darum bitten, dass die Rechnung aufgrund von Wucher reduziert würde – rechtlich sei nach Bezahlung der Rechnung nicht mehr viel zu machen.

Die Verbraucherzentrale Lüneburg rät, sich möglichst Notdienstadressen lokaler Anbieter aufzuschreiben, am besten auch im Handy abzuspeichern. „Die Nummern von seriösen Anbietern bekommt jeder bei den Handwerkskammern“, erklärt Sabine Oppen-Schröder, Leiterin der Verbraucherzentrale. „Allgemein gilt: Immer erst auf eine schriftliche Rechnung warten oder sich vorab einen Kostenvoranschlag machen lassen“, so die Verbraucherberaterin weiter. Darüber hinaus seien die Begriffe „Notdienst“ oder „Rohrreiniger“ rechtlich nicht geschützt, also könne sich jeder so nennen und irgendwo Abflüsse reinigen. „Viele Menschen stehen in solchen Notsituationen einfach neben sich und ihnen wird im Nachhinein erst klar, was nicht korrekt gelaufen ist.“ So geschehen auch bei Isabel Meine.

Sandra Buss, Geschäftsstellenleiterin der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide sagt dazu: „Das Vertrauensverhältnis Kunde zu Handwerksbetrieb ist durch das Internet nicht zu ersetzen.“

Schwarze Schafe unter Handwerkern findet man übrigens unter anderem im Internet auf folgender Website: www.blacklist-schwarzeliste.de.

VON ROBIN VOGT

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