Von Woche zu Woche

A 39 mit Zuckerguss

Autobahngegner und Autobahnbefürworter – beide haben nachvollziehbare Argumente. Darum verwundert es auch nicht, dass sich immer, wenn Entscheidungen zur Autobahn 39 anstehen, emotionale Diskussionen entspinnen – vor allem in Bad Bevensen.

Denn dort prallen zwei Interessen so stark aufeinander, wie in wenigen anderen Bereichen des Landkreises: Die Wirtschaft des Tourismusstandortes, die eine bessere Anbindung fordert. Die Einwohner Groß Hesebecks und Röbbels, die durch die aktuelle Trasse Eigentum verlieren und massiv an Lebensqualität einbüßen würden.

Die neue Positionierung der Stadtpolitik hat darum hohe Wellen geschlagen: Vom Trassengegner zum generellen Befürworter der Autobahn – das allein ist für manch einen schon schwer zu verkraften. Noch komplizierter wird es, wenn Positionen verschwimmen, Fakten und Emotionen sich unübersichtlich vermischen.

Was sollen die Groß Hesebecker und Röbbeler von Politikern halten, die vor der Wahl mit ihnen gegen den Autobahnbau demonstrierten und nun für die A 39 stimmen? Wie sollen Einwohner damit umgehen, dass ihre gewählten Vertreter als Privatmenschen zu anderen Inhalten stehen, als sie es als Politiker tun? Kritik und Frust sind aus Sicht der Bürger nachvollziehbar und vorprogrammiert – nicht, weil Politiker nicht ihre Meinung ändern oder differenziert Stellung nehmen dürfen. Sondern weil Politiker versuchen, unbeliebte Entscheidungen mit einem Zuckerguss aus süßen Worthüllsen und Phrasen bekömmlicher zu machen und es oft verpassen, ehrliche Argumente vorzubringen, diese mit Rückgrad und trotz Gegenwind zu vertreten. Denn bei schlüssiger Argumentation werden auch unbequeme Positionen akzeptiert – wenn auch nicht gut geheißen – und der Unterschied zwischen der Privatperson und dem Politiker verstanden.

Von Wiebke Brütt

Rubriklistenbild: © Wendlandt, Lars

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