Lea Riecks Erkenntnis: Loslassen, um offen für Neues zu sein

90.000 Kilometer Abenteuer

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Lea Rieck war 18 Monate lang mit „Cleo“, ihrem Motorrad, in der Welt unterwegs. 90.000 Kilometer legte sie zurück. 

Uelzen – Im Dunkel des Raumes ein alter Mann. „Aha, da bist du also“, sagt er. Sein Englisch ist schwer zu verstehen. Er nickt einem Mann zu, der – einem Schatten gleich – im Türrahmen steht.

„Hol die anderen!“ Lea Rieck macht es spannend bei ihrer Lesung am Mittwochabend in der voll besetzten Buchhandlung Decius an der Bahnhofstraße in Uelzen. Dabei hatte sie diesen Part ihrer Geschichte doch angekündigt als „Eine Geschichte aus Pakistan, in der nichts passiert“.

Männer im Hunza-Tal wollen deutlich machen, dass sie keine Terroristen sind

Aber die Männer im pakistanischen Hunza-Tal hoch im Norden, an der afghanisch-chinesischen Grenze, im Karakorum, dem Teil des Landes mit den Bergriesen, wollen ihr nichts Böses antun – sie wollen mir ihr reden, wollen ihr deutlich machen, dass sie keine Terroristen sind, dass sie ihre Türen den Reisenden öffnen wollen. So wie es früher war, vor dem 11. September 2001, dem Tag, an dem sich die Welt veränderte. Das Tal galt einst für die Hippies als sogenanntes „verlorenes Paradies“, die Menschen seien die ältesten und gesündesten auf Erden.

Trotz des desolaten Zustandes der Hütte erfuhr Lea Rieck hier eine große Gastfreundschaft. So, wie fast überall auf ihrer 18-monatigen Tour rund um die Welt, auf der sie 90.000 Kilometer mit „Cleo“, ihrem Motorrad, zurücklegte.

Gestartet in München, wo die Journalistin 1986 geboren wurde, führte sie ihr Weg über den Balkan nach Istanbul. Hier geriet sie 2016 in den Trubel des Putsches, konnte jedoch weiterfahren, das Land verlassen. Anschaulich schildert sie den Verlauf ihrer Reise auf Asphaltstraßen, Schotter- und Sandpisten. Durch grüne Täler und schroffe Bergregionen fuhr sie über Georgien nach Astrachan. Großartige, faszinierende Landschaften zeigen die Bilder und Videosequenzen, die ihre Erzählungen begleiten. „Die Sandstraße hat es in sich. Ich versuche mich an die Offroadtipps zu erinnern, die ich vor meiner Reise gelesen habe: Gas geben, Drehzahl erhöhen.“ Doch das nützt nicht viel. Es kommt zum Sturz – Schmerz.

„Man muss loslassen, um andere Perspektiven wahrzunehmen“

Natürlich reicht die Zeit nicht, um über alle Stationen ihrer Reise etwas zu berichten. Doch unterhaltsam, nie langweilig, springt Lea Rieck durch die Länder ihrer weitgehend allein mit „Cleo“ durchgeführten Reise. Indien, Thailand, Australien, Tasmanien. Von hier flog sie nach Argentinien, fuhr von Buenos Aires bis nach Feuerland ganz im Süden und an der Westküste wieder nordwärts. USA, Kanada – Europa.

Freude und Durchatmen, als sie, nach dieser ihr Leben beeinflussenden Fahrt in der Heimat ankam.

Gelernt habe sie, so sagt die junge Frau, vor allem, dass man „loslassen“ muss, um sich Neuem zu öffnen, andere Perspektiven wahrzunehmen.

VON FOLKERT FRELS

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