Landgericht Lüneburg: Klinikum Uelzen muss Heinz Eckert Schadenersatz zahlen

90 000 Euro für MRSA-Opfer

rast Lüneburg. ,,Mein ganzes Leben hat sich von einem Tag auf den anderen geändert, nichts ist mehr wie früher. “ Das sagt der einst agile und sportliche Heinz Eckert aus Altenmedingen. Das entscheidende Datum kennt der Ex-Polizist aus dem Hamburger Revier St.

Georg ganz genau: Am 12. Dezember 2008 hatte er eine Hüftoperation im Klinikum Uelzen. Ein Routineeingriff. Eigentlich. Doch Eckert infizierte sich (AZ berichtete) mit einem meldepflichtigen Krankenhauskeim, dem so genannten Methicilin-resisten Staphylocococcus aureus (MRSA). Eckert klagte gegen das Klinikum. Gestern verkündete die 2. Zivilkammer des Lüneburger Landgerichtes das Urteil: Das Krankenhaus wurde zur Zahlung von 90 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Begründung von Richterin Christa Dopatka: „Als die Keime sichtbar wurden, hätte die Hüftprothese sofort ausgewechselt werden müssen. “ Den Keim trägt der 69-Jährige noch heute in seinem Körper: „Ich stehe ständig unter Medikamenten, habe fortwährend Schmerzen und bin weiter in Behandlung“, sagt der Mann, der kein linkes Hüftgelenk mehr hat und im Rollstuhl sitzt. Mittlerweile hat Eckert acht Operationen über sich ergehen lassen müssen.

Im Prozess gab der medizinische Gutachter Prof. Dr. Ekkehard Hille aus Hamburg an, es gebe keinen ersichtlichen Grund, warum die Prothese nicht bereits im Februar 2009 entfernt worden sei – zuvor habe es wochenlang Anzeichen für eine Infektion gegeben, auch dafür, dass die Prothese zu klein sei. Dem Gutachter folgte die Richterin: „Es ist für die Haftungsfrage nicht wichtig, woher die Keime kommen“, wesentlich sei das Management – und da hätte das Klinikum früher reagieren müssen.

Heinz Eckert wollte sogar 100 000 Euro Schmerzensgeld einklagen – das Gericht blieb ein wenig darunter: „Die Höhe muss im Verhältnis gesehen werden, beispielsweise mit Blick auf Querschnittsgelähmte, die noch mehr Probleme haben“, so Richterin Dopatka.

Eckert empfindet nach dem Urteil „Genugtuung gegenüber dem Klinikum“. Ein wenig enttäuscht sei er aber, dass im Prozess nicht zur Sprache kam, wie hoch die Quote der MRSA-Fälle im Klinikum Uelzen gewesen sei. Seine Lüneburger Anwältin Frauke Zidorn: „Wäre er vorher über das MRSA-Risiko informiert worden, hätte er sich dort nicht operieren lassen.“

Trotz des gestrigen Urteils ist für Eckert der Rechtsstreit noch nicht beendet. Über seine Anwältin will er auch alle materiellen Schäden geltend machen, die ihm aus der Geschichte entstanden seien, denn die Versicherung trage nicht alles. Das neue Leben im Rollstuhl brachte kostspielige Veränderungen – Eckert nennt Beispiele: „Das Haus musste behindertengerecht umgebaut werden. Allein der Umbau des Bades kostete 20 000 Euro, dazu kamen ein Treppenlift und etliche Rampen. Auch bin ich auf ein behindertengerechtes Auto angewiesen.“

Trotz allem hat Heinz Eckert seinen Kampfeswillen nicht eingebüßt. Er überlegt, ob er mit einem weiteren Betroffenen eine Anlaufstelle für MRSA-Opfer einrichtet.

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