Aktion gegen Wildunfälle: Jäger haben 175 Kilometer Straßen im Kreis bestückt

7000 blaue Reflektoren

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Mit blauen Aufsätzen an Leitpfosten will die Kreisjägerschaft die Wildunfallzahlen senken. Das reflektierende Scheinwerferlicht der Autos soll die Tiere von den Straßen abhalten.

Uelzen/Landkreis. Grünes Licht für blaue Reflektoren: Die Aktion der Kreisjägerschaft für mehr Sicherheit im Straßenverkehr kann jetzt starten.

Gemeinsam mit Hegeringen, Revierinhabern und anderen Kooperationspartnern sind jetzt an allen wildunfallträchtigen Straßen im Kreis Uelzen die Leitpfosten mit reflektierenden Kunststoff-Aufsätzen bestückt worden. Diese sollen verhindern, dass das Wild die Fahrbahn überquert (AZ berichtete).

„Kreisweit wurden insgesamt 7000 blaue Reflektoren angebracht, sowohl an Bundes- und Landes- als auch an Kreisstraßen“, erklärt Jürgen Koch, stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Die Gesamtlänge der somit markierten Strecken beträgt etwa 175 Kilometer. Weil jeder Reflektor laut Koch 4,45 Euro kostete, war die Anschaffung nur dank eines gemeinsamen finanziellen Kraftakts möglich. So beteiligte sich die Kreisjägerschaft mit 3000 Euro, weitere Mittel stellten Revierinhaber, Geldinstitute, Versicherungen und private Spender zur Verfügung. Die Auswahl der Strecken erfolgte in enger Abstimmung mit der Polizei und den Straßenmeistereien.

Ihre Wirkung entfalten die Reflektoren in der Dämmerung und Dunkelheit, also zu jenen Zeiten, in denen das Wild sehr häufig unterwegs ist. „Die Tiere nehmen die Farbe Blau besonders wahr. Trifft der Lichtkegel der Fahrzeugscheinwerfer auf die Reflektoren, wird durch deren Wölbung eine Bewegung vorgetäuscht“, erläutert Koch. Das bewirke, dass das Wild am Waldrand verharre und nicht die Straße überquere.

Tagsüber entfalten die Reflektoren zwar keine Wirkung auf die Tiere. Doch die blauen Aufsätze sollen die Autofahrer sensibilisieren, auf diesen Strecken wegen der Wildwechselgefahr langsamer und aufmerksamer zu fahren. „Wir erhoffen uns von der Aktion einen Rückgang der Wildunfallzahlen im Kreis Uelzen. Ich glaube aber nicht, dass dann überhaupt kein Unfall mehr passiert“, sagt Koch. Erst nach einem Jahr, so seine Schätzung, könne eine erste Bilanz gezogen werden.

Kaum Erfolg hätten dagegen die rot-weißen Warnschilder mit dem springenden Rehbock gezeigt. „Die werden von den Autofahrern ignoriert“, meint der stellvertretende Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Auch die orangefarbenen Dreibeine, die an Wildunfallstellen im Kreisgebiet stehen, würden von den Autofahrern nur dann wahrgenommen, wenn ihre Farbe nicht verblasst sei. „Sind sie nicht angemalt, ist die Signalwirkung gleich Null“, hat er festgestellt.

Koch empfiehlt allen Verkehrsteilnehmern, in Wald- und Feldgebieten sicherheitshalber nur mit maximal Tempo 80 unterwegs zu sein, um bei Wildwechsel rechtzeitig reagieren zu können. „Ich selber fahre auf solchen Strecken in der Regel sogar nur Tempo 60 bis 70, weil ich um die Gefahr weiß“, erzählt Koch. Dass er dabei häufig von anderen Autos überholt wird, nimmt er gelassen hin.

Von Bernd Schossadowski

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