70 Gäste speisten beim Uelzischen Armenessen in der Stadthalle

5500 Euro für Obdachlosentreff

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Der Ebstorfer Frauenchor trat Sonnabend beim Uelzischen Armenessen in der Stadthalle auf. 5500 Euro kamen für den Tagestreff für Wohnungslose zusammen.

Uelzen. Einen Multimedia-Vortrag kann es bei der Erstauflage des Uelzischen Armen-essens im 14. Jahrhundert nicht gegeben haben. Und damals war es auch kein Rindfleisch, das im Kochtopf landete, sondern ein Schaf.

Und jene, die am Sonnabend in der Uelzener Stadthalle speisten, zählen auch nicht zum Kreis der Bedürftigen. Doch auch, wenn kaum etwas beim Uelzischen Armenessen mehr ist, wie einst 1397 – ihr wohltätiges Wesen hat sich die Aktion bis ins 21. Jahrhundert bewahrt: Rund 5500 Euro wurden in diesem Jahr für soziale Zwecke gespendet. Mit dem Geld soll in erster Linie die Arbeit des Tagestreffs für Wohnungslose an der Alten Wiesenstraße unterstützt werden.

Ludwig König (l.) und Werner Schmidt-Clausen führen den Verein Historisches Uelzen, der das Armenessen organisiert.

Zum Hintergrund: Mit dem Uelzischen Armenessen führt der Verein Historisches Uelzen e.V. seit 1996 eine Tradition fort – und zwar grundsätzlich so, wie es der Stadtrat im Jahr 1397 festgelegt hat: Die damaligen Ratsherren veranlassten anlässlich der Befreiung Uelzens von der Besetzung der Celler Herzöge ein wohltätiges Fest.

Nun, Rat und Verwaltung, das ließ Vereinsvorsitzender Werner Schmidt-Clausen die rund 70 Gäste des Abends wissen, seien der Einladung zwar nicht gefolgt, doch angesichts des stolzen Erlöses war die Enttäuschung darüber schnell verflogen. „Es ist gewissermaßen der harte Kern, der immer wieder zu der Veranstaltung kommt.“

Dazu zählt – so will es auch die Tradition – Uelzens Propst Jörg Hagen. Gerade die Verbindung zwischen historischem Gedenken und sozialem Engagement, betont der Geistliche, mache die Veranstaltung aus seiner Sicht zu so einer wichtigen.

Das schätzen auch Dietrich Wiedemann und Monika Pieper. Das Paar aus Soltau ist am Sonnabend jedoch in erster Linie wegen des Vortrags über die Anfänge der Backsteingotik in Norddeutschland von Uelzens früherem Stadtarchäologen Prof. Dr. Edgar Ring gekommen.

Doch ganz gleich aus welchem Antrieb die Gäste einen Beitrag leisteten – und manch einer tat es im Vorfeld, ohne beim Essen anwesend zu sein, eines weiß Vorstandsmitglied Ludwig König sicher: „Für die Begünstigten ist das Engagement wichtig. Was ist, wenn ein kalter Winter kommt?“

Von Anna Petersen

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