41-Jähriger reist von Düsseldorf nach Uelzen, um seinem Unmut über das Jugendamt Luft zu machen

„Ich möchte einfach nur Vater sein!“

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Das Jugendamt des Landkreises Uelzen: Hier suchte Lars Grindeland* laut eigener Aussage immer wieder Hilfe im Umgang mit der Mutter seiner Tochter, sei aber diskriminiert worden, weil er ein Mann ist.

Uelzen. Ein Vater nahm jetzt eine siebenstündige Zugreise von Düsseldorf nach Uelzen auf sich, um bei der Einwohnerfragestunde des Jugendhilfeausschusses des Landkreises zu sprechen. „Anders finde ich kein Gehör“, eröffnete er sein Plädoyer. Er wolle nicht, dass es anderen Vätern ergehe wie ihm.

Mit dem, was Lars Grindeland* dann erzählt, spricht er vielen Vätern aus der Seele. Er hat eine vierjährige Tochter und lebt seit deren Geburt getrennt von der Kindsmutter in Düsseldorf. Weil die Kommunikation zwischen ihm und der im Kreis Uelzen lebenden Mutter laut Grindeland schwierig ist, wandte sich der Freiberufler aus Düsseldorf bereits seit der Geburt der Tochter immer wieder an das Jugendamt des Landkreises. Dort erhoffte er sich Hilfe, denn da die Eltern nie verheiratet waren, lag das Sorgerecht bei der Mutter. „Doch ich wurde kriminalisiert und diskriminiert“, wirft der 41-Jährige der Behörde vor.

Grindeland sagt: „Ich wurde von den ausschließlich weiblichen Mitarbeiterinnen benachteiligt, weil ich ein Mann bin.“ Die Mutter, die kein gemeinsames Sorgerecht gewollt habe, sei bestärkt worden, während man versucht habe, ihn loszuwerden. Das weist das Jugendamt zurück, erklärt aber: „Hat ein Elternteil kein Sorgerecht, hat dieses Elternteil auch nicht die gleichen Rechte wie der Sorgerechtsinhaber.“

Grindeland stellt klar: „Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und möchte einfach nur Vater sein.“ Unter Mühen bekommt er dann endlich Umgang mit seiner Tochter. Doch dieser wird von der Aufsichtsdame des Kirchenkreises wieder abgebrochen. Der Grund: „Ich habe ein Foto von meiner Tochter zu privaten Erinnerungszwecken gemacht, obwohl die Mutter dies nicht wollte.“

Grindeland blieb hartnäckig und zog vor Gericht. Dort wurde ihm das gemeinsame Sorgerecht zugesprochen, nachdem ein Gutachter bestätigte, dass der Kontakt zu seiner Tochter dem Kind guttue. „Das Jugendamt hat in all den Jahren nie persönlich mit meiner Tochter gesprochen“, erläutert Grindeland, der das Mädchen mittlerweile regelmäßig sieht. Er kritisiert auch, dass es unter den Mitarbeitern „erhebliche Qualitätsunterschiede“ gebe. Erst zuletzt wurde sein Fall von einem männlichen Mitarbeiter des Jugendamts und einer Mitarbeiterin des CJD Göddenstedt betreut, mit denen die Zusammenarbeit reibungslos verlaufen sei. Grindeland wollte deshalb wissen, wie entschieden wird, welcher Sachbearbeiter welche Fälle bearbeitet. Außerdem fragte er, ob das Uelzener Jugendamt überfordert ist. Die Antwort: Wegen des Fachkräftemangels gestalte sich die Suche in den letzten Jahren schwierig. „Bisher konnten aber alle vakanten Stellen besetzt werden.“ Jeder Mitarbeiter sei aufgrund eines entsprechenden Berufsabschlusses und langjähriger Berufserfahrung gleich qualifiziert.

„Sind Eltern mit der Arbeit der Fachkraft unzufrieden und benennen dieses während des Beratungs- oder Hilfsprozesses, erfolgt eine inhaltliche Überprüfung dieses Einzelfalls unter Beteiligung des oder der Vorgesetzten“, versichert das Jugendamt. Das sieht Grindeland anders: „Alles, was ich als konstruktive Kritik eingebracht habe, wurde abgelehnt.“ Er hofft, dass seine Worte Wirkung zeigen, denn: „Es geht nicht nur um meinen Fall. Andere Väter, die ihr Recht einfordern wollen, geben irgendwann auf. Es muss vermieden werden, dass es ihnen so ergeht wie mir.“ Grindeland ist sich sicher: „Hätte das Jugendamt den Fall ernst genommen, wäre es nie so weit gekommen.“

(*Name von der Redaktion geändert)

Von Sandra Hackenberg

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Der Artikel wurde aktualisiert.

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