Vergewaltigung am Kreidebergsee: 23-jähriger Uelzener für zwei Jahre und zehn Monate in Haft

Anwalt kritisiert Überheblichkeit

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(Symbolfoto)

Uelzen/Lüneburg. Er habe sich wie James Bond verhalten und versucht, Eindruck zu schinden – ein „Muster von Überheblichkeit“ ziehe sich durch die Aktivitäten des 23-jährigen Angeklagten.

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Dieses Bild zeichnete gestern der Vertreter der Nebenklägerin, Thorsten Heß, vor dem Landgericht Lüneburg von dem Uelzener, der gestanden hatte, in der Nacht zum 1. August 2013 am Ufer des Kreidebergsees in Lüneburg eine damals 15-Jährige vergewaltigt zu haben. Für die Tat verurteilte das Landgericht den Angeklagten zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.

„Ich kann es nicht anders bewerten, als dass er uns hier ein taktisches Geständnis abgegeben habt“, sagte Heß in seinem Plädoyer. Wegen der Verletzungen, die der Mann schon vor der Tat der Jugendlichen im Wasser und am Ufer zugefügt habe, sprach Heß von Vergewaltigung und Körperverletzung und hielt eine Freiheitsstrafe unter drei Jahren für angebracht.

Verteidigerin Wiebke Schröder hielt dem entgegen, dass auch die Minderjährige Alkohol getrunken und sich noch nach Mitternacht dort aufgehalten habe. Sie verwies darauf, dass auch ein Sachverständiger davon ausging, dass der Angeklagte 2,3 bis 2,5 Promille Alkohol im Blut gehabt haben müsste, die Jugendliche 0,7 bis 0,9 Promille – so viel, dass sie etwa sieben Gläser Rum getrunken haben müsste. Zudem habe sich die Jugendliche bei der Party am See so verhalten, „dass die Nacht für einen durch Alkohol enthemmten jungen Mann durchaus Anlass zur Hoffnung gab“, erklärte Wiebke Schröder. Das Mädchen habe den jungen Mann geküsst und sich auf das Baden zu zweit im See eingelassen, wo sie dann eine Grenze zog, die der Mann nicht einhalten wollte. Die Verteidigerin betonte, dass der Angeklagte ihr „Nein“ hätte akzeptieren müssen, als die Jugendliche versuchte, sich von ihm zu befreien. Wiebke Schröder plädierte für zweieinhalb Jahre Haft.

Während der Vorträge senkte der Angeklagte den Blick zu Boden und wischte sich immer wieder über die Augen. Im Anschluss daran entschuldigte er sich für die Tat und erklärte auf Nachfrage seiner Verteidigerin, dass die Jugendliche keine Angst vor ihm haben müsse, wenn sie ihm jemals wieder begegnen sollte. Das wertete die 1. große Jugendkammer als Reue. „Mag sein, dass es gewisse Punkte gibt, die der Angeklagte beschönigt“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Kammer habe jedoch den Eindruck gewonnen, „dass ihm das Ganze auch sehr leid tat“.

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