Neuer SBE-Geschäftsführer kritisiert Fehler bei Ukraine-Projekt und vollzieht radikalen Kurswechsel

„2012 sehen wir die Wahrheit“

Der Fuhrpark der SBE in der Ukraine zu Beginn des Projektes: Zu viele deutsche Arbeitskräfte waren dort beschäftigt, das trieb die Kosten in die Höhe. Archivfoto: TM

Uelzen. Neues Personal und eine neue Leitung vor Ort sowie eine deutliche Schrumpfkur und ein neues Erntekonzept – mit einem radikalen Kurswechsel versucht die neue Geschäftsführung der Sustainable Bio Energie Holding GmbH (SBE), das defizitäre Landwirtschaftsprojekt in der Ukraine mittelfristig in die Gewinnzone zu bringen.

„Es wurde Lehrgeld bezahlt, womöglich sogar in Millionenhöhe. Wir sind jetzt dabei, die handwerklichen Fehler, die in den ersten Jahren des Projektes begangen wurden, massiv zu korrigieren“, erklärt Gert Sieger, der von den Stadtwerken Uelzen und Schwäbisch Hall im November vergangenen Jahres an die Spitze der SBE berufen worden war. Zeitgleich waren die bisherigen Geschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz und Claus Dieter Lang abberufen worden. Die beiden Stadtwerke sind zu gleichen Teilen Gesellschafter der SBE und haben bislang jeweils rund 5,5 Millionen Euro in das Landwirtschafts-Projekt gesteckt. Sieger war von Uelzens Stadtwerke-Chef Markus Schümann auch mit einer grundlegenden Beurteilung des Projektes beauftragt worden. „Es wird finanziell dieses Jahr noch holprig werden“, sagt Sieger auf AZ-Nachfrage. Er hoffe, in 2012 eine schwarze Null vorlegen zu können: „Nächstes Jahr werden wir die Wahrheit sehen.“ Allerdings muss in diesem Jahr nochmals Geld in das Vorhaben gepumpt werden – und der neue SBE-Geschäftsführer weiß, dass es angesichts des tiefen Misstrauens der Uelzener Politik gegenüber dem Ukraine-Engagement schwierig sein dürfte, weitere Finanzspritzen zu bekommen. „Ich denke aber, dass ich in den vergangenen Monaten einiges von diesem berechtigten Misstrauen abbauen konnte“, so Sieger. Jetzt seien viele Gespräche erforderlich. Er benötige jetzt noch eine Zwischenfinanzierung, um über das Jahr 2011 zu kommen. Der neue Geschäftsführer hat in seiner halbjährigen Analyse grundlegende Fehler beim Aufziehen des Projektes, aber auch bei der Informationspolitik seiner Vorgänger ausgemacht. „Man hätte nicht gleich 12 000 Hektar anpachten und dann nur einen Bruchteil bewirtschaften dürfen“, bilanziert Sieger. „Man hätte stattdessen klein anfangen und dann wachsen müssen.“ Außerdem habe man zu viel deutsches Personal vor Ort beschäftigt: „Das war zum einen zu teuer und hat zum anderen bei den Menschen in der Ukraine den Neid geschürt.“ Entsprechende Korrekturen seien eingeleitet worden: „Wir haben jetzt noch 8000 Hektar in Pacht, von denen wir 5000 bewirtschaften. Nächstes Jahr wollen wir auch die restlichen 3000 Hektar in die Ernte einbeziehen.“ Außerdem habe er damit begonnen, ukrainisches Management zu installieren. Das Land sei schließlich eines der korruptesten in Europa, „man braucht Einheimische, die wissen, wie man das anfasst bei den Behörden dort.“ Auch in dieser Beziehung sei von seinen Vorgängern „einiges unterschätzt worden“. Es sei vor einem halben Jahr höchste Zeit gewesen, „massive Kurskorrekturen vorzunehmen“, sagt Sieger. Grundsätzlich aber ist der SBE-Geschäftsführer überzeugt, „dass man einen Landwirtschaftsbetrieb in der Ukraine profitabel betreiben kann“. Das hoffen auch die Stadtwerke Uelzen: „In Zeiten einer energiepolitischen Wende ist es wichtig, sich um den Part der Rohstoffproduktion zu kümmern“, erklärt deren Sprecher Mirco Pinske. „Deshalb bewerten wir diese Art des Projektes grundsätzlich positiv, haben aber damit auch unsere Erfahrungen sammeln können und müssen.“ Von Thomas Mitzlaff

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